Spa Magazin

SPA-Irrtümer in der Hotellerie

Es ist schwierig zu unterscheiden, was wirklich Faktum oder nur eine Blase ist. Keven Prünster hielt zu gängigen Spa-Irrtümern beim SpaCamp „SummerCamp“ eine brisante Session. Wir haben uns mit dem engagierten Spa-Manager und stellvertretenden Hotel-Direktor im A-Rosa Kitzbühel über Erwartungen von jungen Mitarbeiter:innen, Signature Treatments und Marketing-Versprechen unterhalten. Darüber hinaus erzählt er uns, mit welchem Mythos er gerne aufräumen möchte.

Faktum oder nur eine Blase? Foto: AdobeStock/Esta Webster

Faktum oder nur eine Blase? Foto: AdobeStock/Esta Webster

Stimmt es, dass es jungen Mitarbeiter:innen nur noch cool, easy und gechillt wollen und auf was muss man achten, damit Arbeitgeber:innen keine falschen Erwartungen in den neuen Job wecken? Auf Instagram sieht ja immer alles sehr easy und cool aus.

Das Wertebild hat sich nicht nur bei unseren jüngeren Mitarbeiter:innen verändert. Tatsächlich darf ein moderner Arbeitsplatz nicht nur den Lebensunterhalt sichern, sondern er muss Spaß machen. Man kann als Arbeitgeber schimpfen und jammern so viel man will, vorerst wird sich die Situation nicht ändern. Die Segel sind daher neu zu setzen. Gerade in unserer Branche sollte dies doch noch leichter möglich sein, um den Mitarbeiter:innen ein tolles Arbeitsumfeld und großartige Perspektiven und Wertschätzung anzubieten.

Junge Mitarbeiter:innen werden wir in Zukunft nur noch emotional erreichen und mit echten Gefühlen motivieren können. Geschönte Jobausschreibungen mit einem hippen Layout und coolen Texten machen die Situation nur noch schlimmer, sollte im Betrieb nicht das geboten werden was versprochen wurde. Deswegen ist es unabdingbar, zu halten was man verspricht und bei der Wahrheit zu bleiben.

Meine schwäbische Oma hat schon immer gesagt: „Haben kommt von Halten.“ Das ist auch mein Erfolgsrezept, um dem Fachkräftemangel in der SPA-Branche entgegenzuwirken! Ziel ist es, dass kein Teammitglied unsere SPA-Familie verlässt. Ich sehe es inzwischen als wichtigste Aufgabe an, allen das Arbeitsumfeld zu schaffen, das sie nicht nur zufrieden, sondern glücklich sein lässt. Ob gerechte Bezahlung, individuelle Arbeitszeitgestaltung oder fachliche wie persönliche Weiterentwicklung – ich bin Dienstleister für meine Kolleg:innen, aber auch Mentor und Mediator, wenn es zwischenmenschlich mal kriselt. Und ja, Meister der Münze bin ich auch noch und verantwortlich dafür, dass all das sich auch wirtschaftlich auszahlt und überzeugt.

Keven Prünster beim SpaCamp "SummerCamp" 2022, Foto: Jasmin Walter

Keven Prünster beim SpaCamp „SummerCamp“ 2022, Foto: Jasmin Walter

Wenn wir diese Arbeitssituationen für unsere Mitarbeiter:innen schaffen, dann läuft es nicht nur für unserer Kolleg:innen, sondern auch für uns als Führungskräfte und Eigentümer cool, gechillt und easy!

Heute hat man das Gefühl, die 4 Tage-Woche ist das neue Allheilmittel für eine glückliche Work-Life-Balance. Wie ist deine Meinung dazu?

Ich bin mir sicher, dass die Arbeit und der Arbeitsplatz nicht attraktiver werden, nur weil ich die Arbeitszeit auf vier Tage reduziere. Noch witziger wird es, wenn der Arbeitgeber dann die ohnehin schon langweilige oder zu stressige Arbeit auf ein Tagespensum von 10-12 Stunden erhöht, um die 40 Stunden auf vier Tage aufzuteilen. Derzeit gibt es wirklich sehr kreative Lockangebote am Markt, die nicht immer nachhaltig umgesetzt werden.

Trotzdem ist es gerade jetzt notwendig, Neues zu wagen. Grundsätzlich ist jede/r Mitarbeiter:in individuell zu betrachten und jede/r Kolleg:in hat andere Bedürfnisse, die abgefragt werden müssen. Viele lieben ihren Job und möchten Arbeitsmodelle mit leistungsorientierter Vergütung und arbeiten gerne dafür mehr. Andere setzen ihre Freizeit und das Familienleben mehr in den Mittelpunkt – das muss man doch respektieren und berücksichtigen.

Ziel muss es sein, den Arbeitsplatz und die Tätigkeitsbereiche so zuzuschneiden, dass diese auf Dauer attraktiv sind und die Kolleg:innen das Gefühl von echter Wertschätzung, Entwicklung und Selbstverwirklichung erfahren. Eine Familienmama muss anders arbeiten dürfen als ein/e Mitarbeiter:in ohne Familie und private Verpflichtungen.

Du hast in deiner Session kritisch angemerkt, dass „Signature Treatments“ oft nicht wirklich funktioniert, weil beispielsweise Behandlungen zu kompliziert sind und die Gäste sie daher nicht verstehen. Auf was legt der Gast im Spa wirklich wert?

Der Kreativität von Spa-Manager:innen und Consulting Agenturen sind bei diesem Thema keine Grenzen gesetzt. 90% aller sogenannten Signature Treatments bestehen aus erfundenen Kunstnamen und einer Kombination aus zwei bis drei bestehenden Spa-Anwendungen, wie Peeling, Bad und Massage. Die Erfahrung zeigt, dass diese gern gesehenen Alleinstellungsmerkmahle kaum gebucht werden, sehr zeit- und schulungsintensiv sind und kaum die Beachtung von Gästen finden.

Viel wichtiger ist, das derzeitige Gastbedürfnis zu erkennen und genau darauf ein perfekt abgestimmtes Spa-Erlebnis zu kreieren. Dies ist die Königsdisziplin eines Spa-Aufenthalts und einer wunderbaren Wohlfühlanwendung.

Ein Spa-Menü kann eine Empfehlung sein und die Kompetenz und Möglichkeiten eines SPAs darstellen. Die Kunst ist es aber, individuell auf den Menschen einzugehen und nicht an vordefinierten Abläufen festzuhalten.

Leider ist das Gastversprechen im Marketing oft von der Wirklichkeit weit entfernt. Durch geschönte Bilder auf Instagram sind die Erwartungen enorm. Ist es Zeit für eine Authentizität 2.0?

Nicht selten sieht man Webseiten und Werbefotos, die leere Räume zeigen, die mehr einer Möbelausstellung ähneln. Oder künstlich inszenierte Fotos mit Szenen und Profimodels, die so niemals im echten Wellness-Urlaub vorkommen werden.

Echte Bilder mit richtigen Menschen und Mitarbeiter:innen machen heute den Unterschied. Die größte Begeisterung in einem SPA ruft nicht der goldene Wasserhahn hervor oder der noch größere Pool, sondern die Persönlichkeiten, die dort arbeiten.

Die Hotelbetreiber sollten viel mehr den Mut haben, ihre wundervollen Mitarbeiter in den Fokus zu stellen. Noch nie war emotionales Marketing leichter, günstiger und wertvoller als heute.

Kleine Filmchen mit strahlenden Kolleg:innen gehen blitzschnell um die Welt, erreichen tausende von Gästen und Fans und motivieren nebenbei die eigenen Mitarbeiter:innen. Unsere Gäste erkennen sofort, was echt und was fake ist. Ich kann nur jeder/m Hotelier/e oder Spa-Manager:in empfehlen, die eigenen Mitarbeiter:innen in den Vordergrund zu stellen und echte Gasterlebnisse zu präsentieren.

Hast du noch einen Spa-Irrtum, den wir endgültig ins Reich der Mythen verbannen sollten?

Für mich ist ein weiterer großer Spa-Irrtum, dass in einem Wellnessbereich alles immer absolut ruhig und menschenleer sein muss. Oder, dass kaum andere Gäste sichtbar sind und wie von Geisterhand, alles perfekt und unberührt sein soll.

Ich sehe einen SPA von heute anders:

Die Zeiten sollten doch wirklich vorbei sein wo man immer abgekapselt allein in ein Schwimmbecken steigt, völlig einsam in der Sauna sitzt oder allein sein Workout macht.

Das wertvollste im Leben sind doch Begegnungen. Die Zeit mit seinen Liebsten, der Familie, Freunden zu verbringen oder auch neue Bekanntschaften zu schließen, ist doch wunderbar. Bei einem netten Gespräch am Pool, beim Entspannungstee oder beim Lauftreff, wenn Menschen zusammenkommen, entsteht immer eine großartige Energie.

Das Spa als Ort der Begegnung. Foto: Foto: A-Rosa/Anne AsElmann

Das Spa als Ort der Begegnung. Foto: Foto: A-Rosa/Anne AsElmann

Ich möchte, dass der SPA auch ein Platz der Kommunikation ist oder wird – gerade in der heutigen Zeit wo so viele Menschen trotz Stress und Trubel immer einsamer werden. In einem SPA kann man zusammenkommen, geniest wundervolle Erlebnisse und darf tolle Gespräche führen und Menschen kennenlernen. Wir haben uns bewusst entschieden, solche Kommunikationsmöglichkeiten in unser SPA und Erholungsangebot einzubauen.

Vielen Dank, lieber Keven vom A-Rosa Kitzbühel, dass du dein Wissen mit uns teilst!