Die Haut ist zugleich Schutzbarriere und Sinnesorgan. Mit ihr berühren wir die Außenwelt. Doch die Haut, oft auch als Spiegel der Seele bezeichnet, ist viel mehr. Wir haben uns mit der Kosmetikwissenschaftlerin Dr. Meike Streker, die gemeinsam mit Petra Orzech das Buch „Feel your Skin“ geschrieben hat, unterhalten. Im Gespräch verrät sie uns, was es mit der Haut-Hirn-Achse auf sich hat, was Neurowellness bedeutet und warum Hautpflege ganzheitlich betrachtet werden muss. Gleich vorweg – der Begriff „Anti-Aging“ sieht bei der Autorin ziemlich alt aus.
Im Gespräch mit dem SpaCamp-Magazin, Kosmetikwissenschaftlerin Dr. Meike Streker. Foto: Lotta Laabs
Ende März erscheint euer Buch „Feel your Skin“. Gratulation! Hier geht es um die sogenannte Haut-Hirn-Achse. Warum ist die Haut viel mehr als ein Sinnesorgan und eine Schutzbarriere?
Unsere Haut ist das Erste, was uns umhüllt und oft auch das Erste, was andere wahrnehmen. Zudem ist sie unsere erste Berührung mit der Welt, noch bevor wir sie sehen und verstehen. Sie ist Grenzorgan und schützt uns vor vielen Belastungen der modernen Welt. Als Sinnesorgan nimmt sie unzählige Reize auf und übersetzt sie in Reaktionen, die wir sehen, spüren oder fühlen. Das ist möglich, da sie eng mit unserem Nervensystem verbunden ist. Über die Haut-Hirn-Achse senden Emotionen, Stress oder Entspannung kontinuierlich Signale an unsere Haut und gleichzeitig beeinflusst unsere Haut über sensorische Reize, Berührungen und Pflege unser emotionales Erleben. Diese Verbindung wirkt also in beide Richtungen.
Genau deshalb verstehe ich Achtsamkeit auch als Hautpflege. Wie wir uns berühren, wie bewusst wir pflegen, beeinflusst nicht nur unser Wohlbefinden, sondern auch die Hautgesundheit. Eine Creme wirkt nicht nur über ihre Inhaltsstoffe, sondern auch über Duft, Textur, Temperatur und die Art der Berührung.
In „Feel your Skin“ zeigen wir, dass Hautpflege kein rein kosmetischer Akt ist, sondern ein Dialog zwischen Haut und Nervensystem – emotional, achtsam und ganzheitlich.
Neues Buch „Feel your Skin“ von Dr. Meike Streker und Petra Orzech. Foto: GU Verlag
Hautpflege wird meist mit dem Auftragen von Cremes in Verbindung gebracht. Was ist deiner Meinung nach sinnvoll und welche „Pflege“ braucht die Haut darüber hinaus?
Hautpflege besteht nicht aus „Auftragen von Cremes“. Um die Haut im Sinne von „Skingevity“ möglichst lange gesunde zu erhalten, bedarf es ein weit breiteres Verständnis von „Pflege“:
Hautpflege beginnt mit einer bewussten Auswahl von Formulierungen, die nicht nur die Oberfläche versorgen, sondern die biologische Funktion der Haut unterstützen und sie in ihren natürlichen Prozessen stärken. Das heißt: Schutz, Barrierestabilisierung, Förderung der Zellkommunikation und Regulation von Entzündungsreaktionen sind genauso wichtig wie Feuchtigkeitszufuhr und antioxidative Effekte.
Darüber hinaus wagen wir uns in der Branche weg von einer rein ergebnisorientierten Schönheit, hin zu Konzepten, die Gesundheit, Wohlbefinden und multisensorische Erfahrung verbinden. So wird die Haut nicht nur als äußeres Organ gesehen, sondern als Teil eines ganzheitlichen, gesundheits-integrierten Systems, das mit dem Nervensystem und dem emotionalen Erleben verknüpft ist.
Die Haut wird auch als Spiegel zur Seele beschrieben. Was verrät uns die Hautbeschaffenheit und wie kann man das Altern der Haut, ganzheitlich betrachtet, verlangsamen?
Die Haut ist tatsächlich ein Spiegel unseres inneren Zustands. Stress, Schlafqualität, emotionale Balance und Lebensstil beeinflussen unmittelbar Hautbild, Regenerationsfähigkeit und Alterungsprozesse. Über die Haut-Hirn-Achse werden diese inneren Faktoren in biochemische Signale übersetzt, die Zellalterung entweder beschleunigen oder verlangsamen können.
Heute liegt der Fokus in der modernen Kosmetikwissenschaft nicht mehr auf Faltenreduktion. Es geht, ganz im Sinne von Longevity, um die langfristige Erhaltung von Hautfunktion, Zellkommunikation und Entzündungsbalance. Chronischer Stress wirkt dabei wie ein Beschleuniger der Hautalterung, während Berührung, Entspannung und positive Emotionen regenerative Prozesse aktivieren können.
Ich lehne den Begriff Anti-Aging ab. Zum einen ist er grundsätzlich negativ und zum anderen geht es nicht gegen das Altern vorzugehen, sondern gesund und vital zu altern. Skingevity heißt, die Haut dabei zu unterstützen, möglichst lange gesund, widerstandsfähig und lebendig zu bleiben.
„Achtsamkeit ist Hautpflege“, sagt Dr. Meike Strecker. Foto: Lotta Laabs
Als Kosmetikwissenschafterin beschäftigst du dich mit Inhaltsstoffen aber auch mit den vielfältigen apparativen Techniken. Welche Entwicklungen sind für dich besonders spannend?
Als Kosmetikwissenschaftlerin beobachte ich zwei zentrale Entwicklungen: den Wandel vom reinen Produktdenken hin zu ganzheitlichen Pflegekonzepten sowie die stärkere Verbindung von Sensorik, Wohlbefinden und Nachhaltigkeit.
Auf Inhaltsstoffebene rücken Wirkmechanismen wie Barrierestärkung, Entzündungsregulation und die Kommunikation zwischen Haut und Nervensystem in den Fokus. Biotechnologisch gewonnene Moleküle unterstützen dabei nicht nur kurzfristige Effekte, sondern die langfristige Resilienz der Haut.
Auch apparative Technologien verändern sich deutlich. Statt intensiver Reizsetzung stehen heute sanfte, regenerative Methoden im Vordergrund, die Mikrozirkulation, Lymphfluss und Zellaktivität stimulieren, ohne die Haut zu überfordern. Die Haut wird dabei als lebendiges, reagierendes System verstanden und nicht als Objekt, das mechanisch behandelt wird.
Im Vorgespräch hast du den Begriff „Neurowellness“ ins Spiel gebracht. Was bedeutet das und welche Potentiale ergeben sich heute für das Spa in Sachen Hautpflege?
Neurowellness versteht Wellness als gezielte Stimulation des Nervensystems über die Haut – als Verbindung von Haut, Gehirn, Emotionen und Körperphysiologie. Berührung ist dabei kein Zusatz, sondern ein neurobiologisch wirksamer Impuls. Studien aus der Berührungsmedizin zeigen, dass sanfte taktile Reize Stress reduzieren, Schmerzen lindern und durch die Ausschüttung von Oxytocin emotionale Balance und Regeneration fördern.
Moderne Treatments nutzen diese Mechanismen bewusst, indem sie mit Rhythmus, Druck, Textur und Sinnesreizen arbeiten, um das autonome Nervensystem zu regulieren. Für das Spa bedeutet das einen Paradigmenwechsel: Behandlungen wirken nicht mehr nur lokal, sondern auf das gesamte neuroemotionale System. Neurowellness verbindet Hautpflege, Berührungsmedizin und emotionale Regulation und macht Spa-Rituale zu ganzheitlichen Longevity-Erlebnissen.
Vielen Dank, liebe Meike Streker für den fundierten und zeitgemäßen Einblick in das Thema Haut und Pflege. Wir wünschen viel Erfolg mit dem neuen Buch!
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
SpaCamp / DI (FH) Wolfgang Falkner, Inhaber: DI (FH) Wolfgang Falkner (Firmensitz: Österreich), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.
SpaCamp / DI (FH) Wolfgang Falkner, Inhaber: DI (FH) Wolfgang Falkner (Firmensitz: Österreich), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.