Nachhaltigkeit ist ein Gebot der Stunde. Doch manchmal hat man das Gefühl, dass der ökologischen und auch der sozialen Verantwortung heute weniger Bedeutung zukommt, als noch vor Jahren. Kathrin Fuchs von goldWERT_events & coaching hat eine Podcastserie zum Thema „Nachhaltiges Arbeiten im Tourismus mit Best Practices“ gestartet und hier einige engagierte Hoteliers aus Tirol interviewt. Wir wollten mehr wissen!
Nachhaltigkeit im Tourismus. Foto: Kirill Gorlov – stock.adobe.com
Liebe Kathrin, mit deinem Podcast hast du einige spannende Hoteliers vors Mikrofon geholt. Welche Statements sind dir besonders in Erinnerung geblieben? Was lässt aufhorchen?
Der Spirit während der einzelnen Interviews war großartig. Ich kannte einige der Hoteliers vor dem Interview nicht persönlich, jedoch war der gemeinsame Vibe für die Nachhaltigkeit und die Positivität für das Teilen von Ansätzen sofort spürbar. Diese Podcast-Serie ist – in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Tirol – von Touristiker:innen für Touristiker:innen gemacht, damit sich viele Betriebe in Zukunft mehr trauen und mutig sind, sich nachhaltiger zu orientieren. Mir sind viele Statements in wohliger Erinnerung geblieben. Hier zwei davon:
„Wir müssen Nachhaltigkeit für alle Beteiligten attraktiv gestalten, egal ob für die Mitarbeiter:innen, den Gast oder die Betriebe.“
Kathrin Fuchs, Inhaberin von goldWERT _ events & coaching und Podcasterin. Foto: goldwert.tirol
„Wir kochen saisonal und kaufen regional. Im Winter gibt es keine Erdbeeren oder Tomaten, denn die schmecken meines Erachtens im Januar gleich.“
Maximilian Grüner vom Hotel Grünerhof in Obergurgl zum Thema Regionales Kochen und wie man Regionalität in der Küche umsetzen kann.
In Österreich gibt es das „Österreichische Umweltzeichen“. Wie kann man dieses als Hotel bekommen und was muss man hier in Sachen Nachhaltigkeit leisten?
In der Sparte Tourismus wird der gesamte Betrieb mit dem „Österreichischen Umweltzeichen“ zertifiziert. Hotels, welche das Umweltzeichen interessiert, erhalten als Erstes eine Checkliste, den sog. „Umweltcheck“. Es gibt einige Kriterien, die erfüllt werden müssen (Muss-Kriterien), dazu gehören unter anderem der Bezug von Strom aus erneuerbaren Energiequellen, die Gleichberechtigung von MitarbeiterInnen oder der Verzicht auf unnötige Einwegprodukte oder Chemikalien. Der Hotelier erklärt sich die Muss-Kriterien zu erfüllen. Des Weiteren gibt es Soll-Kriterien, welche Soll-Kriterien im Bereich des Machbaren liegen, können die Hotels für sich selbst entscheiden.
„Das Österreichische Umweltzeichen hat uns viele Prozesse überdenken lassen. Wir haben uns Fragen wie, sind unsere Leistungen für den Gast noch zeitgemäß oder benötigt es 33°C im Außenpool oder würden auch 31°C reichen, u.a. gestellt.“
Wie eingangs erwähnt, hat man das Gefühl, dass Nachhaltigkeit heute weniger Bedeutung hat als noch vor Jahren. Wie kann das so wichtige Thema wieder attraktiver werden und welche Verantwortung tragen die Hoteliers?
Ich gebe dir vollkommen recht, das Thema „Nachhaltigkeit“ hatte in der Corona-Zeit ein „besseres“ Standing als aktuell und wird von vielen anderen Nachrichten überschattet. Es ist wirklich 5 vor 12 und wir können alle dazu beitragen. Ich sehe die Nachhaltigkeit als Prozess mit drei Mitwirkenden: der Ökologie, dem Ökonomischen und dem Sozialen. Diese Bereiche ergänzen sich! Wenn man in allen drei Bereichen etwas tut, dann wird man langfristig Erfolg haben. Verantwortung haben wir alle, nicht nur die Hoteliers, jedoch sind Schritte wie Produkte aus der Region zu kaufen, das Frühstücksbuffet zu überdenken, oder nachhaltig produzierte Produkte im Spa zu verwenden, natürlich ein Thema.
Zillertalerhof Alpine Hideaway. Foto: Zillertalerhof/Mood.at Jan Hanser
Eine meiner Lieblingsbeispiele im Thema „Waste Management“: Ist es wirklich notwendig, dass es ein Riesen-Frühstücksbuffet gibt und dieses immer zu 100 % aufgefüllt ist, auch kurz vor Ende der Frühstückszeit? Hätte der Gast nicht mehr Freude daran, wenn das Buffet kleiner ist und mehr Komponenten frisch bestellt und serviert werden? Die Biomülltonne wäre nicht nach 2 Tagen voll, der Gast erhält einen qualitativ hochwertigen Teller und die servierten Komponenten kann man täglich wechseln, wenn man will.
Welche Potentiale für mehr Nachhaltigkeit siehst du im Spa und wo gibt es deiner Meinung am meisten Handlungsbedarf – ökologisch und sozial?
Potentiale sehe ich viele. Nachhaltig produzierte Produkte im Spa hatte ich schon angesprochen – hier gibt es einige gute Hersteller im deutschsprachigen Raum. Des Weiteren ist die Nutzung von Geräten und die Instandhaltung ein Thema, um die Langlebigkeit der Geräte, wo ich auch die Fitnessgeräte dazuzähle, zu beachten. Die Qualität soll erhalten bleiben, jedoch ist es immer die Frage, wie viel werden Spa-Einrichtungen und Geräte im Spa oder im Fitnessbereich tatsächlich genutzt, und ist der Ankauf für meinen Gast ein Mehrwert? Oder kauft man etwas nur, damit man sagen kann, man hat diese oder jene Sauna zusätzlich im Haus. Ich sehe das ähnlich wie „das Rennen um den größten“ Wellnessbereich. Mehr m² ist nicht immer das, was sich der Gast wünscht, vor allem der zukünftige Gast.
Der Gast wünscht sich mehr an Nachweisen: woher kommen die Produkte im Hotel, wie wurden diese produziert und was ist der Nutzen dahinter? Für die Mitarbeitenden ist das Thema Nachhaltigkeit ebenso ein Game Changer. Wenn Hoteliers verantwortungsvolle, zielstrebige und motivierte Mitarbeitende finden und behalten wollen, kommen sie beim Thema „Nachhaltiges Arbeiten und Umsetzen“ nicht vorbei.
Zur sozialen Nachhaltigkeit gehört genauso die Barrierefreiheit, betont Alois Rainer vom Hotel Post in Strass:
„Es freut sich jeder Gast ab einem gewissen Alter, wenn der Rollator neben dem Bett Platz hat.“
Nachhaltigkeit heißt für mich etwas langfristig, mit Hausverstand und Gespür anzugehen und dies im touristischen Betrieb, so gut wie möglich, in allen Abteilungen und allen Räumlichkeiten des Hauses umzusetzen. Alles ist von Anfang an nicht möglich und Anpassungen dauern eine gewisse Zeit. Viele ökologische und soziale Maßnahmen haben enorm positive ökonomische Auswirkungen, und darüber freut sich üblicherweise jeder Hotelier.
Kathrin Fuchs bei ihrer Session beim SpaCamp 2025. Foto: SpaCamp/Lukas Geu
Vielen Dank, liebe Kathrin Fuchs vongoldWERT _ events & coaching für deine Einblicke in den Status Quo in Sachen Nachhaltigkeit in der Hotellerie. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg mit deinem Podcast!