Gut essen im Spa: „Es war noch nie so leicht, einen eigenen, stimmigen Weg zu finden.“

18. Februar 2026

Gesunde Ernährung ist essenzieller Bestandteil für ganzheitliches Wohlbefinden. Doch wie können nährstoffreiche, ehrliche Gerichte zu echtem Wohlgefühl beitragen und auch das Spa-Erlebnis bereichern? Felicitas Vaitl und Alexandra Stech befassen sich auf ihrem Kanal epifood mit epigenetischer Ernährung, bieten eine Rezepte-App, haben Kochbücher veröffentlicht und sind mit ihrem Podcast erfolgreich. Die beiden werden auf dem diesjährigen Spa Day im Rahmen der FIBO am 18.4. eine spannende Session halten. Wir haben Feli und Alex im Vorfeld zum Gespräch eingeladen.

Felicitas Vaitl und Alexandra Stech, Gründerinnen von Epifood. Foto: Isabel Wallace
Felicitas Vaitl und Alexandra Stech, Gründerinnen von Epifood. Foto: Isabel Wallace

Viele Menschen verbinden SPA heute nicht mehr nur mit Wellness und Yoga, sondern auch mit gutem Essen. Warum ist Food eurer Meinung nach ein so zentraler Bestandteil moderner Selbstfürsorge?

Alex: Mittlerweile weiß man, dass Ernährung einen relevanten Einfluss auf die Gesundheit hat. Dabei spielen nicht nur die enthaltenen Nährstoffe eine Rolle, sondern auch, ob das Essen Freude bereitet. Dieser Zusammenhang lässt sich unter anderem durch die Epigenetik erklären. Essen kann ein gutes Gefühl vermitteln, auch ohne reich an Zucker zu sein. Außerdem unterstützt gutes und ausgewogenes Essen die Regeneration des Körpers.

Feli: Systemische Veränderungen begünstigen diesen Wandel, etwa weniger verfügbare Arzttermine, überlastete Krankenhäuser und Krankenkassen, die zunehmend weniger Kosten übernehmen. Die Corona-Pandemie wirkte dabei als Katalysator: Sie rückte die Bedeutung von „Gesundheit“ für eine gesamte Bevölkerung in den Fokus und führte zugleich dazu, dass Kochen und der bewusste Umgang mit Lebensmitteln wieder an Bedeutung gewannen. Viele Menschen wurden gewissermaßen dazu gezwungen, sich intensiver damit auseinanderzusetzen. Hinzu kommen epidemiologische Veränderungen: Wir werden zwar älter, aber leider nicht gesünder. Das führt dazu, dass es mehr ältere Menschen gibt, die über einen längeren Zeitraum krank sind. In diesem Kontext wird gesunde Ernährung zunehmend auch als Bestandteil von Selbstverwirklichung verstanden.

Eure Gerichte wirken oft unkompliziert, sind aber gleichzeitig sehr hochwertig. Wie findet ihr die Balance zwischen Genuss, Alltagstauglichkeit und bewusster Ernährung?

Alex: Man darf Ernährung nicht zu strikt betrachten. Wichtig sind vor allem einfache Grundlagen wie gesunde Kohlenhydrate, Fette und Proteine, aber auch Kräuter und andere natürliche Zutaten. Gleichzeitig sollte Genuss seinen Platz haben, zum Beispiel in Form eines Desserts, das vielleicht nicht allen Regeln einer vermeintlich gesunden Ernährung entspricht, der Seele jedoch guttut. Insgesamt sollten Lebensmittel so natürlich wie möglich sein – also das, was uns die Natur gibt.

Feli: Die Freude an Ernährung fördert Kreativität und führt zu eigenen kulinarischen Kreationen. Gleichzeitig entsteht ein stärkeres Bewusstsein für minderwertig produzierte Lebensmittel. Wissen über Herkunft und Qualität von Lebensmitteln vertieft diese Freude zusätzlich. So kann etwa ein samenfester Spitzkohl vom Demeter-Bauern durch seine Geschichte, Anbauweise und Besonderheiten ganz anders wahrgenommen werden. Ähnlich wie bei der Arbeit eines Sommeliers wird der Geschmack und der Geruch durch erzählerischen Kontext plastischer, lebendiger und dreidimensionaler erlebbar.

Alexandra Stech, Co-Founder von Epi-Food. Foto: Fabian Kirchner
Alexandra Stech, Co-Founder von Epi-Food. Foto: Fabian Kirchner

Was inspiriert euch bei der Entwicklung neuer Rezepte?

Alex: Eine große Inspirationsquelle ist für mich der Einkauf selbst. Ich schaue, was gerade Saison hat und aktuell in großer Auswahl verfügbar ist – zum Beispiel Kaki im Winter oder Wassermelone im Sommer. Auch unser eigener Appetit spielt eine wichtige Rolle: Worauf haben wir gerade Lust? Zusätzlich lasse ich mich durchaus von Social Media inspirieren. Es wäre gelogen zu sagen, dass das keinen Einfluss hat. Für mich fühlt sich das an wie das Durchstöbern unzähliger Kochbücher, nur in digitaler Form.

Feli: Mich inspirieren vor allem Köchinnen und Köche aus aller Welt – von Österreich bis Thailand. Wer Chef’s Table gesehen hat, weiß, was wir meinen. Außerdem sind Restaurantbesuche eine wichtige Quelle: vom kleinen Bistro über Streetfood bis hin zur Fine-Dining- und Sterneküche. Diese Eindrücke übersetzen wir dann in eine alltagstaugliche, einfache Küche, auch wenn manche Geschmackskombinationen ursprünglich aus sehr schicken oder hippen Restaurants stammen. Nicht zuletzt spielt meine Kindheit eine große Rolle, da viele Aromen und Gerichte von dort bis heute nachwirken.

Social Media ist meist schnell, laut und perfektionistisch. Wie schafft ihr es, trotz dieses Umfelds authentisch zu bleiben und euch selbst keinen Druck zu machen?

Alex: Wahrscheinlich hat uns unsere Zeit im Catering und in der Gastro-Szene ziemlich abgehärtet. Gleichzeitig läuft aber auch bei uns nicht immer alles so rund, wie es nach außen vielleicht wirkt. Tatsächlich macht man sich fast täglich selbst Druck, weil man immer höher, schneller und weiter möchte. Der Zeitgeist – gerade für uns Millennials – lässt es kaum zu, einfach mal runterzufahren, es sei denn, man trägt sich diese Pausen bewusst im Kalender ein.

Feli: Ich empfinde Social Media tatsächlich eher als unperfektionistisch. Meiner Meinung nach hat hier inzwischen alles Platz, und das, was früher vielleicht funktioniert hat – Hochglanzbilder und Perfektion – spielt in unserer Bubble kaum noch eine Rolle. Authentizität entsteht durch Fehler. Gerade durch KI wächst die Sehnsucht nach echten Menschen mit Schwächen, Ecken und Kanten noch stärker. „Non-KI“ wird dabei fast zu einem neuen Bio-Label. Diese Echtheit, gepaart mit Humor, ohne langweilig oder belehrend zu wirken, ist für mich die eigentliche Kür. Ich finde, das beherrschen wir mittlerweile ganz gut. Trotzdem wissen auch wir oft nicht, wie viel „echt“ eigentlich echt genug ist oder ab wann es vielleicht niemanden mehr interessiert. Es bleibt ein spannendes Spiel – und der Druck fällt nie.

Felicitas Vaitl, Co-Founder von Epi-Food. Foto: Isabel Wallace
Felicitas Vaitl, Co-Founder von Epi-Food. Foto: Isabel Wallace

Habt ihr bemerkt, dass sich der Blick auf Ernährung in den letzten Jahren verändert hat – weg von Verzicht hin zu mehr Genuss und Achtsamkeit? Welche einfachen Rituale würdet ihr Menschen empfehlen, die gesunden Genuss in ihren Alltag bringen möchten?

Alex: Jein. Einerseits merkt man deutlich, dass viele Menschen, die sich lange Zeit fast schon radikal ernährt haben – unabhängig von der jeweiligen Richtung –, wieder zurückrudern. Gleichzeitig sind extreme Ernährungsformen nach wie vor sehr gefragt und ziehen vor allem Menschen an, die sich hilflos fühlen. Durch ein oft aus dem Gleichgewicht geratenes Darmmikrobiom, das Verlernen von intuitivem Essen und das Missverständnis von Wunschgewicht versus Wohlfühlgewicht fällt es vielen extrem schwer, einfach wieder „normal“ zu essen.

Hinzu kommt der Wunsch nach schnellen und radikalen Ergebnissen, um überhaupt einen Anreiz zu verspüren, etwas zu verändern. Dabei ist eine vollwertige, natürliche und bewusste Ernährung letztlich das, was jeder anstreben sollte – und oft auch genau dort landet, weil sie im Grunde die einfachste Form ist, langfristig dranzubleiben. Kleine Rituale können dabei viel bewirken: zum Beispiel jeden Sonntag einen süßen Snack aus Früchten, Protein und guten Fetten vorzubereiten, der sich auch einfrieren lässt und den süßen Zahn stillt. Morgens eher auf Proteine statt auf klassisches Müsli zu setzen oder mindestens einmal pro Woche zu Hause etwas Einfaches frisch zu kochen, sind ebenfalls kleine, aber effektive Schritte.

Alexandra Stech & Felicitas Vaitl, Co-Founder von Epifood. Foto: Fabian Kirchner
Alexandra Stech & Felicitas Vaitl, Co-Founder von Epifood. Foto: Fabian Kirchner

Feli: Radikale Ernährungsformen zeigen immer wieder, dass sie häufig mit gesundheitlichen Belastungen oder gesellschaftlichen Einschränkungen einhergehen. Die psychischen und physischen Folgen werden oft erst nach Jahren sichtbar und zwingen Menschen dann dazu, genauer hinzusehen. Genau hier beginnt Achtsamkeit: die ehrliche Frage, was mir persönlich guttut.

Gleichzeitig spüren wir, dass sich viele Menschen nach Leichtigkeit sehnen – nach einem Zugang zu Ernährung, der nicht kompliziert, nicht streng und nicht belastend ist. Genau das möchten wir mit unseren einfachen, leckeren Gerichten vermitteln. Sie sind gesund, alltagstauglich und kommen bewusst ohne erhobenen Zeigefinger aus.

Grundsätzlich halte ich es für ein gesundes Ritual, die eigene Ernährungsweise immer wieder auf sich selbst abzustimmen. Sie darf – und sollte – sich von der des Partners, der Mutter oder der besten Freundin unterscheiden. Wir neigen dazu, uns anzupassen und Diäten nach vorgegebenen Mustern durchzuziehen, oft ohne Rücksicht auf unseren eigenen Körper. Wer sich frühzeitig mit Freude an Ernährung beschäftigt, legt eine unglaublich wichtige Basis fürs Leben. Denn jeder von uns muss essen – und einen Weg zu finden, der Genuss und Gesundheit verbindet, kann Lebensqualität und Lebenszeit enorm verändern. Die Möglichkeiten dafür sind heute größer denn je: Wissen und Rezepte sind nahezu kostenfrei verfügbar. Es war noch nie so leicht, einen eigenen, stimmigen Weg zu finden.

Liebe Feli, liebe Alex, wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg mit eurem Kanal epifood sowie eurem Podcast „Epifood – Gesundheit & Genuss“ und freuen uns schon auf euren gemeinsamen Vortrag zum Thema „Warum ist Food der neue Trend im Spa- und Wellness-Bereich?“ auf der FIBO im Rahmen des Spa Day am 18. April am Meeting-Point Spa & Wellness.

Autor:in: Keven Prünster
Schlosshotel Kitzbühel

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