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Wellness mit Wirkung: Messbarkeit von Spa- und Wellnessangeboten plus erste Ergebnisse einer Voruntersuchung

Wie sieht es mit der qualitativ, objektiven Messbarkeit von Spa- und Wellness-Angeboten heute aus? Und wo wird die Wellness-Branche im gesellschaftlich propagierten Megazyklus der psychosozialen Gesundheit stehen, wenn Effektivität und Effizienz der Produkte konsequent ins Zentrum rücken? Erste Ergebnisse aus der Voruntersuchung des Raumkonzepts DeepSea sowie des Bio-Balance Konzepts im Vergleich zum „normalen“ Ruhesessel liegen nun vor.

Es war ein spannender Abend, als sich Daniel Lathan und Sven Huckenbeck bei der Verleihung des Wellness Innovation Award 2015 – für den beide Innovationskonzepte vom Deutschen Wellness Verband nominiert waren – über den aktuellen Stand der Spa- und Wellnessbranche austauschten und diese Frage erörterten.

Sven Huckenbeck, Wald- & Schlosshotel Friedrichsruhe (links) und Dr. Ronald Burger, SOURCE-Gesundheitsberatung (rechts) in dem von Daniel Lathan (Mitte) entwickelten DEEPSEA Raum. Foto: sonami AG

Sven Huckenbeck, Wald- & Schlosshotel Friedrichsruhe (links) und Dr. Ronald Burger, SOURCE-Gesundheitsberatung (rechts) in dem von Daniel Lathan (Mitte) entwickelten DEEPSEA Raum. Foto: sonami AG

Wellness braucht Wirkung

Jedes Produkt muss Nutzen stiften. Diese Funktion von Wellness muss für Kundinnen, Kunden und Anbieter direkt erfahr- und erlebbar sein. Nur dann lässt sich rechtfertigen, dass wir Angebote propagieren, welche versprechen, dass die Fitness für das Leben und den Arbeitsalltag innerhalb kürzester Zeit optimiert wird. Doch sind unsere Wellness- und Spa Angebote objektiv messbar?

DeepSea und Bio-Balance werden von den Kundinnen und Kunden intersubjektiv mit „hervorragend“ oder „Immer gerne wieder“ bewertet. Doch bisher konnten solche konzeptionellen Angebote von keinem Qualitätsaudit fachlich bewertet werden.

Die gemeinsamen Projekte an der Hochschule und im Deutschen Skiverband von Sven Huckenbeck und mir führten wiederum zum nächsten Schritt. Ich verfüge mit meiner Firma Source – Gesundheitsberatung über das Angebot Belastungs- und Entspannungsparameter objektiv und standardisiert zu erfassen.

Angespornt durch diese Gespräche trafen sich Daniel Lathan (Raumkonzept DeepSea, sonami AG), Sven Huckenbeck (Bio-Balance Konzept, Wald- & Schlosshotel Friedrichsruhe) und ich, mit freundlicher Unterstützung des Eigentümers des Hotels Preidlhof in Naturns, am Standort des weltweit ersten DeepSea Raumes von Daniel Lathan, um erste Messungen durchzuführen. Gerne möchte ich im Folgenden noch kurz DeepSea und das Bio-Balance Konzept vorstellen:

Der DeepSea Raum ermöglicht eine absolut reale dreidimensionale Wahrnehmung. Foto: sonami AG

Der DeepSea Raum ermöglicht eine absolut reale dreidimensionale Wahrnehmung. Foto: sonami AG

Raumkonzept DeepSea

Insgesamt 12.500 LED-Elemente sind in dem 3 x 5 Meter großen Raum auf mehreren, transparenten Ebenen in allen vier Wänden sowie der Decke und dem Boden neben- und hintereinander angeordnet. Jedes der LED-Elemente kann einzeln angesteuert werden. Diese Technologie eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten einer eher abstrakten, aber absolut realen dreidimensionalen Wahrnehmung.

Ziel war es, ein Umfeld zu schaffen, das keine bekannten und somit interpretierbaren Raumerlebnisse, z. B. in Form einer Simulation, zulässt. Wir betreten stattdessen eine vollkommen „neue Welt“, die uns aber dennoch emotional vertraut ist. Weitere Infos zu DeepSea.

Bio-Balance Konzept

Lösen von Spanungsmustern nach dem Bio-Balance Konzept Foto: Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe

Lösen von Spanungsmustern nach dem Bio-Balance Konzept Foto: Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe

Durch die „Bio-Balance Behandlung“ von Sven Huckenbeck werden stressbedingte Spannungsmuster, die durch dauerhaftes Sitzen schon in der Wachstumsphase antrainiert wurden, im Verlauf von muskulären Ketten hin zu einer funktionellen Grundspannung reguliert.

Durch die Behandlung werden die biomechanischen Verhältnisse im System Mensch optimiert und so leistungssteigernde Effekte erzielt. Zur Abrundung der verschiedenen Behandlungseffekte werden Elemente zur Sympathikolyse angeschlossen.

Die tiefe körperliche Entspannung wird durch eine mentale Erholung begleitet. Das Behandlungskonzept wird durch eine spezielle Fango-Anwendung mit energetisch wirksamen Elementen und einem nachhaltigen Trainingskonzept zur Stabilisierung des Behandlungserfolges abgeschlossen. Durch dieses Konzept werden das Immunsystem und dadurch die Selbstheilungsprozesse nachhaltig angeregt.

Elektrokardiogramm als Grundlage der Herzratenvariabilitätsanalyse

Hinsichtlich einer Qualitätssicherung von Konzepten und/oder Produkten im Wellness- und Spa-Bereich bedarf es einer objektiven Beschreibung jener Parameter, die Entspannung und Resilienz kennzeichnen. Objektiv kann dies über Parameter der Herzratenvariabilität (HRV) durchgeführt werden.

Jede einzelne Kontraktion des Herzens wird durch die Beeinflussung des sympathischen und parasympathischen Systems hervorgerufen. In Ruhe, bei Gesunden, Kindern und Sportlern ist der Abstand zwischen aufeinanderfolgenden Herzkontraktionen stark variierend. Unter Stress, in der sportlichen Belastung, bei Krankheiten jeder Art und älteren Personen ist diese Variabilität eingeschränkt. Der Rhythmus des Herzschlages wird nahezu konstant.

Eine 24 h-Aufzeichnung des Elektrokardiogramms (EKG) dient als Grundlage für unsere Herzratenvariabilitätsanalyse. So können die autonomen Prozesse in der Nacht registriert werden. Je nachdem, in welchem Frequenzbereich die Variabilität des Herzschlages stattfindet, kann abgeschätzt werden, ob beispielsweise Atmung oder Blutdruck gerade die Ursachen für die Veränderung des Herzrhythmus darstellen. Daraus kann abgeleitet werden, welche Prozesse daraus entstehen. Angst, Apnoen (u. a. Schnarchen), nicht rhythmisches Atmen oder Weckreaktionen in der Nacht, sind Ursachen für Stressempfinden und können bis hin zu Immunschwächen und Burn Out führen.

Erste Ergebnisse der Voruntersuchung

In einer Voruntersuchung legten vier Personen für 2 Tage die 24 h-EKG Geräte an. Die qualitativen Betrachtungen zeigen folgende Ergebnisse:

Herzrate und "fire of life"-Darstellung mit der Software cardiscope der Fa. Hasiba während der Entspannungsphasen (VP4). Foto: Source Gesundheitsberatung

Herzrate und „fire of life“-Darstellung mit der Software cardiscope der Fa. Hasiba während der Entspannungsphasen (VP4). Foto: Source Gesundheitsberatung

In der Abbildung (exemplarisch) sind zwei Grafiken dargestellt. Im unteren Abschnitt der Abbildung ist die Herzrate auf der Y-Achse und die Zeit auf der X-Achse zu sehen. Die Abschnitte sind rosa gekennzeichnet:

  1. Entspannen auf einem Ruhesessel
  2. Nutzung DeepSea Raum in einem Ruhesessel
  3. Manuelle Bio-Balance Behandlung

In allen drei Bereichen ist die Herzrate abgesenkt gegenüber Normal. DeepSea und Bio-Balance führen zu einer stärkeren Absenkung als einfaches Entspannen.

In der über der Herzrate sichtbaren „fire of life„-Darstellung, sieht man die Stärke (Farben) der Variabilitäten nach ihren Frequenzen (Y-Achse) über die Zeit abgebildet:

  • Bis 0,04 Hz sind jene Frequenzen erkennbar, welche die Thermoregulation abbilden. Dieser Bereich ist rein sympathisch geprägt.
  • Der Bereich von 0,04 – 0,15 Hz, zeigt sowohl parasympathische als auch sympathische Ursachen. Dieser Frequenzbereich wird durch den Blutdruck verursacht.
  • Im Abschnitt von 0,15 – 0,4 Hz befindet sich die respiratorische Sinusarhythmie, die parasympathisch geprägt ist und den Einfluss der erholsamen Atmung kennzeichnet.

Die Häufigkeit des Vorkommens der Frequenz wird über Farben gekennzeichnet. Die Abstufung geht von gelb über orange, rot und dunkelblau zu hellblau. Eine Aktivität über 0,15 Hz wird als parasympathische, sprich entspannende Aktivierung registriert.

Aus dieser qualitativen Überprüfung können folgende Punkte abgeleitet werden:

  • Die Herzfrequenz senkt sich durch alle drei Interventionen ab.
  • Trotz „Schmerzen“, bekannt als Wellpain, senkt sich bei der Bio-Balance Behandlung die Herzfrequenz ab.
  • DeepSea beeinflusst die parasympathisch wirkende respiratorische Sinusarythmie. Dies zeugt von einer Entspannung, die nachhaltig wirkt.

Dieses Phänomen lässt die Schlussfolgerung zu, dass hier eine Überprüfung mit Hilfe einer geplanten experimentellen Studie zu einer wissenschaftlichen Bewährung führen kann. Wenn nachweislich bei mehreren Personen die Intervention durch DeepSea zu verstärkten parasympathischen Aktivitäten führt, steigert dies den Anspruch an qualitativ nachweisbaren Konzepten in der Weiterentwicklung der Wellness- und Spa Branche.

Mit unserer Zusammenarbeit haben wir neue Forschungsperspektiven eröffnet. Die Ergebnisse einer umfassenden Studie werden wir demnächst hier im SpaCamp Blog veröffentlichen.

Dieser Blogbeitrag ist in Zusammenarbeit von Dr. sportwiss. Ronald Burger, Dipl. Sportwiss. Sven Huckenbeck und Dipl.-Wirtsch.-Ing. Daniel Lathan entstanden.