FachBlog

Von der Spa-Zielgruppe 50+, Influencer-Kampagnen und der Seele eines Hotels – Die Bloggerin Claudia Braunstein im Gespräch

Die Lifestyle-Bloggerin Claudia Braunstein beschäftigt sich in ihrem Blog mit den Themen Wellness, Spas, Reisen und Restaurants. Dabei hat sie es geschafft, sich von anderen abzuheben, weil sie sich auf die Zielgruppe der Best Ager, d.h. Menschen ab 50 konzentriert. Wir haben die Salzburgerin zum Interview gebeten und gefragt, worauf diese Zielgruppe besonderen Wert im Wellness-Urlaub legt. Außerdem verrät sie uns ihre Meinung zum Influencer-Boom, der auch vor der Spa-Hotellerie keinen Halt macht und warum sie Hotels rät, nicht immer nur Trends nachzujagen.

Die Salzburger Bloggerin Claudia Braunstein schreibt über Wellness und Kulinarik für die Zielgruppe 50+. Foto: Claudia Braunstein

Die Salzburger Bloggerin Claudia Braunstein schreibt über Wellness und Kulinarik für die Zielgruppe 50+. Foto: Claudia Braunstein

In deinem Blog beschäftigst du dich mit genussvollen Speisen und Reisen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf luxuriösen Wellness-Reisen für die Zielgruppe 50+. Auf was legt dieser Gast bei einem Spa-Urlaub besonderen Wert?

Vorweg, danke für das Interview und dem Interesse an meiner Arbeit. Ich schreibe ja nicht nur ausschließlich für Menschen, die das halbe Jahrhundert hinter sich haben. Ich würde meine Leserschaft als erwachsen, erfolgreich und mit beiden Beinen im Leben beschreiben. Die meisten interessieren sich für die schönen Dinge im Leben. Dazu gehören eben auch Wellness-Urlaube im gehobenen Genre. Es ist das Gesamtpaket, das solche Gäste erwarten.

Für viele Menschen ist Zeit ein großer Luxus, und dieser Luxus möchte dann auch adäquat genutzt werden, etwa durch einen Aufenthalt in einem schönen Hotel in schöner Umgebung mit sehr gutem Service. Wellness- und Spa-Bereiche sind da oft erwünscht. Hier sind die Erwartungen aber verschieden. Manche wollen mehrere Pools und ein großes Sauna-Angebot, andere erfreuen sich mehr an Anwendungen und Behandlungen. Es fällt mir jedoch zunehmend auf, dass es etwas Besonderes sein soll. Das entnehme ich den vielen Leseranfragen, die ich meist über Social Media erhalte.

Du bist in Salzburg daheim und hast daher auch die gehobene Wellness-Hotellerie hier gut im Blick. Welche Spa-Hotels gefallen dir persönlich am besten und warum?

Ich habe vor bald zwei Jahren begonnen, Salzburg und die Umgebung im Radius von rund 1,5 Stunden Entfernung nach guten Hotels mit Day Spa Möglichkeit zu erkunden. Vorweg, das Angebot in der Stadt ist rudimentär. Geht man ein paar Kilometer hinaus vor die Tore der Stadt und auch über die Grenze nach Bayern, wird man fündig. Natürlich habe ich persönlich den einen oder anderen Favoriten. Genau danach werde ich oft von der Leserschaft gefragt. Ich hüte mich aber einzelnen Namen zu nennen.

Alle in meinem Blog vorgestellten Häuser haben ihre besonderen Vorzüge. Es kommt auch darauf an, was man sucht. Hightech und am neuesten Stand, oder doch lieber romantisch und klein und fein. Ich würde sagen, wir haben im SalzburgerLand und in der Nachbarschaft unzählige Top Hotels mit großartigen Angeboten.

Du sprichst mit deinem Blog die Zielgruppe 50+ an und setzt hier einen klaren Kontrast zu meist sehr jungen Influencerinnen, die auch in der Spa-Hotellerie en vogue sind, weil sie oft eine große Reichweite haben. Würdest du dich selbst als Influencerin bezeichnen und gibt es aus deiner Perspektive vielleicht sogar kritische Worte zu diesem Trend?

Ja, das ist ein endloses Thema. Natürlich beeinflusse ich meine Leserschaft. Ich erhalte ja oft genug Feedback, sowohl von meinen Leser*innen als auch von Hotels, dass meine Blogbeiträge zu Hotelaufenthalten geführt haben. Trotzdem bin ich keine Influencerin im Sinn von Instagram-Stars und Sternchen. Dazu habe ich lächerlich wenige, wenn auch sehr treue Follower.

Ich möchte die Arbeit von Influencerinnen nicht abwerten. Im Gegenteil, das ist meist wirklich großer Aufwand. Ich kann das nicht und möchte das auch gar nicht können, weil ich mich nicht damit identifizieren kann. Instagram-Kampagnen machen durchaus Sinn, können aber auch ein echter Schuss nach hinten sein. Ich weiß von einem Hotel, das eine Menge Geld in eine derartige Kampagne gesteckt hat. Es wurden mehrere reichweitenstarke Influencerinnen eingeladen, die sich vorwiegend selbst am Infinity Pool in Szene gesetzt hatten. Was auch die übrigen Gäste weniger goutierten. Vom restlichen Haus und seinen Angeboten war im Nachgang nichts zu sehen. Zu denken gab dann noch, dass sich mehrfach Stammgäste im Hotel meldeten, die auf Instagram Bilder von der Kampagne sahen und nachfragten, ob im Haus nur mehr junge Blondinen mit perfekten Figuren zu Gast seien. Das wirke nämlich abschreckend, weil man selbst diesem Bild nicht entspreche.

In ihrem Blog stellt Claudia besondere Hotels vor - z.B. das Romantik Hotel Turm in Völs am Schlern. Foto: Claudia Braunstein

In ihrem Blog stellt Claudia besondere Hotels vor – z.B. das Romantik Hotel Turm in Völs am Schlern. Foto: Claudia Braunstein

Wie ist deine persönliche Erfahrung mit solchen Kampagnen und welche Alternativen gäbe es dafür?

Ich denke, dass Influencer-Kampagnen nicht immer der richtige Weg sind. Nachhaltiger sind sicher ansprechende Blog-Beiträge, die in dem Fall Spa-Angebote gut ins richtige Licht setzen und auch gut verlinkt sind. Gerade Day Spa ist nichts, das man schnell einmal so macht, weil man das auf Insta sieht, sondern man sucht gezielt danach und vergleicht Angebote. Problematisch ist natürlich auch, dass es inzwischen unüberschaubar viele Anfragen von Influencern und Bloggern gibt und dass es für Anbieter immer schwieriger wird, die richtigen Partner zu finden.

Ich spreche Hotels oft aktiv an und erhalte in sieben von 10 Fällen gar keine Antwort, obwohl meine Anfragen sicher sehr professionell sind. Persönlich und mit detailliertem Angebot. Bei einem persönlichen Gespräch erfahre ich dann meist, dass man sich oft vor Anfragen gar nicht retten kann.

Ich habe tatsächlich auch schon als Absagegrund gehört, dass ich nicht der gewünschten Alterszielgruppe entspreche.

Das Haus kannte ich von mehrfachen privaten Besuchen, ich war dort meist eine der jüngeren Gäste. Tja, mehr gibt es dazu nicht zu sagen, außer, dass ich dort nie wieder hinfahren werde. Das sind krasse Beispiele, und zum Glück sehr selten, denn ich erfahre im Allgemeinen sehr große Wertschätzung. Trotzdem wäre es manchmal ratsam, wenn das Marketing Team oder auch die Agenturen vermehrt auf die eigentliche Zielgruppe schauen und nicht nur auf die Followerzahlen.

In unserem Gespräch hast du von der Seele eines Wellness-Hotels gesprochen, die weit mehr ist als die Architektur. Wie ist für dich die Seele eines Hauses spürbar?

Ich denke, das kann man nicht nur auf Wellness Hotels münzen, sondern generell auf Hotellerie und Gastrobetriebe. Ich schätze familiengeführte Häuser, die auch trotz mehrfacher Umbauten und Renovierungen immer noch Traditionen bestehen lassen. Die Altes mit Neuem kombinieren. Die Individualität Raum schenken und nicht nur Trends von der Stange in ihren Häusern einziehen lassen.

Ich besuche im Jahr gut 15 bis 20 Hotels und ich kann inzwischen ziemlich genau das Baujahr eines Wellness-Bereiches benennen, auch das von Zimmern. Auch wenn es meist sehr schön und ansprechend ist, man sieht sich ab. Viele Hotels sind inzwischen austauschbar. Das mag für den einzelnen Gast nicht auffallen. Vielreisenden, davon gibt es immer mehr in der Altersgruppe 50+, sticht das schon ins Auge.

Vielleicht nicht immer nur Trends nachjagen, das würde ich empfehlen.

Ein wichtiger Faktor ist für mich auch die Gastgeber und die Menschen, die in den Hotels arbeiten. Wenn Mitarbeiter lange bleiben, dann ist das auch eine Form von Nachhaltigkeit und spricht für sehr gute Führungsqualitäten. Das spüren auch die Gäste.

Vielen Dank, liebe Claudia Braunstein, für deine ausführlichen Antworten und die vielen persönlichen Einblicke und Erfahrungen, die du mit uns geteilt hast.