Reduktion auf das Wesentliche, Healing Architecture, Medical Spa, Dreamteams, intelligente Datenanalyse und ganz viel Mut: Das waren die SpaCamp-Sessions in Raum 1

Im größten Raum des SpaCamp 2021 Mitte November fanden jene Sessions statt, die von den Teilnehmer:innen die meisten Punkte erhalten haben. So ist es nicht verwunderlich, dass hier eine geballte Ladung von bewegenden Spa-Themen diskutiert wurde. Schwerpunktmäßig ging es um neue Spa-Räume, wie das Angebot auf das Wesentliche reduziert und es dem Gast wirklich helfen kann. Dass die Mitarbeiter:innen dabei eine wesentliche Rolle spielen, ist kein Geheimnis. Und ja, man sollte seine Zahlen kennen und auch Mut für die Zukunft haben.

Brisante Themen im Raum 1 beim SpaCamp 2021, Foto: Jasmin Walter Photography

Brisante Themen im Raum 1 beim SpaCamp 2021, Foto: Jasmin Walter Photography

More Dreamteams ahead!

Was wir eigentlich schon immer wussten, ist derzeit so ersichtlich wie selten zuvor: Der Erfolg und die Gesundheit unseres Unternehmens steht und fällt mit unseren Mitarbeiter:innen – mit der Zufriedenheit, Gesundheit und Erfüllung unserer Teams und jedes einzelnen Teammitglieds. Keven Prünster, Spa-Manager und stellv. Direktor des A-ROSA Kitzbühel, nahm sich diesem wichtigen Thema beim SpaCamp 2021 an und ging nach einem kurzen Impuls und Lagebericht mit den Teilnehmer:innen in die Diskussion. Kernfrage war, wie wir das Glück und die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter:innen steigern können und welche Anreize Unternehmen schaffen müssen, um in der jetzigen Zeit ein attraktiver Arbeitgeber sein zu können. Was sind die echten Benefits, auf die unsere Mitarbeitenden und Bewerber:innen achten? Wie gewinne ich neue Kollegen:innen? Wie kann ich meine Teammitglieder noch mehr als Mensch wertschätzen und nicht ausschließlich als Arbeitskraft?

Keven Prünster, Spa-Manager und stellv. Direktor des A-ROSA Kitzbühel zum Thema Spa-Teams; Foto: Jasmin Walter Photography

Keven Prünster, Spa-Manager und stellv. Direktor des A-ROSA Kitzbühel zum Thema Spa-Teams; Foto: Jasmin Walter Photography

Neben flexiblen Arbeitszeitmodellen, Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung, individuellem Onboarding, gestalterischer Mitarbeit, attraktiven Gehalts- und Provisionszahlungen, gilt die gelebte wertschätzende Teamatmosphäre – besonders durch die Führungskraft – als einer der entscheidenden Benefits. Mitarbeitende stellen sich immer mehr die Frage: Für wen möchte ich arbeiten und warum? Was bringt mir der Job persönlich und beruflich? Wenn wir als Unternehmen zu-künftig unseren Mitarbeitenden diese Fragen beantworten können, sind wir auf einem sehr guten — wahrscheinlich auf dem einzig möglichen — Weg zu nachhaltig erfolgreichen, stabilen und glücklichen Teams.

Zahlen, Daten, Fakten: die intelligente Analyse für mutiges Planen

Entscheidend für unser Angebot ist, unsere Gäste, deren Vorlieben und Verhalten möglichst genau zu kennen. Oft lassen wir uns bei der Angebotsgestaltung aber zu sehr von unseren eigenen Präferenzen und unserer starken Begeisterung für unser eigenes Produkt leiten. Ob wir unsere Gäste, ihr Verhalten und mögliche, für uns relevante Veränderungen wirklich (er-)kennen, lässt sich – losgelöst von unserer Betriebsbrille – einfach in Zahlen und Grafiken ausdrücken.

TAC-Mitbegründer Thomas Rössler diskutierte das Thema der Datenanalyse; Foto: Jasmin Walter Photography

TAC-Mitbegründer Thomas Rössler diskutierte das Thema der Datenanalyse; Foto: Jasmin Walter Photography

TAC-Mitbegründer Thomas Rössler nahm uns mit in die Welt der Datenanalyse und warf mit uns einen spannenden Blick hinter die Kulissen unserer Kundendatenbank. Wie vielfältig und spezifisch diese genutzt und wie wertvoll sie für die Planung (auch mutiger und ambitionierter Ziele) eingesetzt werden kann, war für viele Sessionteilnehmer:innen ein wertvoller Impuls. Wenngleich unsere Branche auch sehr gefühlsstark, erfahren und empfindungssicher unterwegs ist, kann ein Abgleich mit der Faktenlage nur von Vorteil sein. Selbstkritisch angemerkt wurde von den teilnehmenden Branchenprofis zudem, dass die Abfrage der Gästewünsche ohnehin oft viel zu kurz kommt – ganz zu schweigen von der Analyse, ob Angebot, Nachfrage und Gastwunscherfüllung auch wirklich matcht.

Healing Architecture – was Räume alles können

Dank René Pier von schienbein + pier durften wir auch auf dem diesjährigen SpaCamp eine spannende Diskussion über Räume, deren Aufgabe und holistische Wirkung führen. Eine zentrale Frage war, wie wir es schaffen können, dass ein Raum, ein Spa, ein ganzes Hotel den Besucher nicht nur verführt, sondern berührt. Wie können wir nachhaltige Raumerfahrungen auf sozialer, physischer und mentaler Ebene schaffen? Wie kann ein Raum aussehen, riechen, sich anfühlen, damit er wirklich berührt und eine langanhaltende, erholende Wirkung hat?

Spannende Diskussion mit René Pier von schienbein + pier zum Thema Healing Architecture; Foto: Jasmin Walter Photography

Spannende Diskussion mit René Pier von schienbein + pier zum Thema Healing Architecture; Foto: Jasmin Walter Photography

Einig waren sich die Teilnehmenden schnell, dass wir längst in dem Bewusstsein von „weniger ist mehr“ angekommen sind und Räume vor allem eines schenken sollten: Raum. Je weniger die Architektur, ihre Ausgestaltung und Einrichtung danach schreit, wahrgenommen zu werden, den Menschen also im wahrsten Sinne „in Ruhe“ lässt, umso intensiver kann echte Erholung stattfinden.

Besonders Mutige der Branche denken schon um und lassen mehr und mehr Überflüssiges und Ab-lenkendes weg – in der Dekoration, der Angebotsvielfalt und im Entertainment – und durchbrechen so den Kreislauf von höher, schneller, weiter, beschallter, dumpfer.

In Zukunft suchen wir uns die Gäste aus, die schätzen, was wir anbieten und es verstehen,

sagte ein Teilnehmer. Zudem diskutierten wir den Aspekt, dass sich die Wellnesserfahrung grundsätzlich vom Spa und von der touristischen Immobilie trennen sollte. Wellness finde bestenfalls auch im Alltag statt, in der Natur und in unseren natürlichen Räumen.

Sehr rege Diskussion trotz der großen Teilnehmeranzahl in Raum 1; Foto: Jasmin Walter Photography

Sehr rege Diskussion trotz der großen Teilnehmeranzahl in Raum 1; Foto: Jasmin Walter Photography

Medical Spa: Ganz oder gar nicht!

Wir kennen viele Hotels, die den Gästen über klassische Wellnessanwendungen hinaus noch ein deutliches Mehr an Gesundheit anbieten wollen. Nur kommt schnell die Frage auf: Ab wann kann man wirklich von einem „Medical Spa“, also einem medizinischen Konzept mit fundierter, qualifizierter Umsetzung sprechen? Oder werden dem Gast mit einem Weißkittel-Marketing möglicherweise zu große Versprechen gemacht? Und gibt es überhaupt erfolgreiche Beispiele in der Branche? Lohnt sich ein „echtes“ Medical Spa aus der Sicht der Hoteliers?

Medical Spa? Karin Niederer von Kohl & Partner und Stefan Nungesser von der FH Kärnten; Foto: Jasmin Walter Photography

Medical Spa? Karin Niederer von Kohl & Partner und Stefan Nungesser von der FH Kärnten; Foto: Jasmin Walter Photography

Mit diesen kritischen Fragen und einem wertvollen Impuls von den Branchenprofis Karin Niederer von Kohl & Partner und Stefan Nungesser von der FH Kärnten gingen wir in die letzte Nachmittagssession des 2. Tages. Schnell war die Liste der Pro- und Contra-Aspekte gesammelt und auch eine Aufzählung von Best-Practice-Häusern war keine Herausforderung. Nur was machen diese offenbar richtig? Wenn Medical, dann richtig! Die, die es erfolgreich betreiben, tun dies mit vollem Fokus, mit ganzheitlichen Konzepten und mit einem Spezialisten-Team und Mitarbeitenden, die den Spirit und den hohen Anspruch konsequent durch das gesamte Haus tragen. Es spontan dem klassisch konsumierenden Wellnessgast anzubieten, kann dagegen nur schwer erfolgreich sein. Was nicht heißen soll, dass unsere Wellnessgäste nicht auch bewusster und bereitwilliger werden, in ihre Gesundheit und wertvolle, gesundheitsförderlicher Anwendungen zu investieren. Personalisierte kurative Behandlungen sollten jedoch nur im Rahmen eines stimmigen Konzeptes stattfinden.

Weniger ist mehr! …auch im Hotel der Zukunft?

Die Beobachtungen, die schon in anderen Sessions gemacht wurden, brachten Jeannine Hermann von der Standortagentur Tirol und Michaela Thaler von den Best Alpine Wellness Hotels mit ihrer Frage nochmal auf den Punkt: Wie funktioniert nun das Hotel der Zukunft, wo weniger mehr ist? Wie können wir neue Werte definieren, mit denen wir wegkommen vom Überfluss und hinfinden zu mehr Wohlbefinden, Zeitqualität und Authentizität?

Wie funktioniert das Hotel der Zukunft, wo weniger mehr ist? Michaela Thaler von den Best Alpine Wellness Hotels; Foto: Jasmin Walter Photography

Wie funktioniert das Hotel der Zukunft, wo weniger mehr ist? Michaela Thaler von den Best Alpine Wellness Hotels; Foto: Jasmin Walter Photography

Dahinter steht weniger ein Konzept der Reduktion, sondern eher eine Frage der Besinnung und (neuen) Definition oder Wahrnehmung von Luxus – nämlich Raum, Zeit und Sicherheit. Wie schon beim Thema Healing Architecture herauskam, entsteht aus einem Weniger an Lärm und Ablenkung, sehr viel Platz für echte Erholung; aus Raum, Zeit und Sicherheit ein Zugewinn an tiefer Entspannung und Freiheit. Freiheit für frische Gedanken, Freiraum für Neues, für Kreativität und den Blick auf das Wesentliche. Vielleicht auch auf sich selbst.

Hören wir doch mal auf, unsere Gäste abzulenken vom Leben!,

sagt eine Teilnehmerin. „Setzen wir sie doch einfach mal weniger Möglichkeiten und weniger Stress aus, weil sie nicht noch den Infinity-Pool, die x-fache Sauna und die besonders tiefenentspannende Anwendung erleben beziehungsweise abarbeiten müssen“. Herausfordernd kann dies zwar in der Kommunikation und im Marketing werden, aber wie schon in einer anderen Session festgestellt, liegt es am Mut der Unternehmer, sich zu positionieren und damit genau jene Gäste anzuziehen, die den wahren Wert ihres Angebotes verstehen und genießen.

Nachhaltigkeit durch Reduktion auf das Wesentliche! Jeannine Hermann von der Standortagentur Tirol; Foto: Jasmin Walter Photography

Nachhaltigkeit durch Reduktion auf das Wesentliche! Jeannine Hermann von der Standortagentur Tirol; Foto: Jasmin Walter Photography

Fluch & Segen in Sachen Mut

Den Abschluss machte Lisa Marie Stangier mit ihrem Impuls über Mut, Veränderungen und Neues. Wir gingen der Frage nach, warum bei Mut Furcht und Faszination so nah beieinander liegen und warum es beruflich wie privat besonders wertvoll sein kann, proaktiv Veränderungen zu initiieren. Bescheiden, perfektionistisch oder über den Maßen ängstlich, anstatt mutig zu handeln, gaukelt uns ein Gefühl von Sicherheit vor, welche es nicht gibt. Eine Komfortzone zu haben sei zwar enorm wichtig, diese aber hin und wieder bewusst zu verlassen, ist unumgänglich für ein erfülltes, zufriedenstellendes und erfolgreiches Leben. Auch wenn natürlich jede/r für sich Erfolg anders definiert.

Mut für Neues! Lisa Marie Stangier sammelte mit den Teilnehmenden viele Ideen; Jasmin Walter Photography

Mut für Neues! Lisa Marie Stangier sammelte mit den Teilnehmenden viele Ideen; Jasmin Walter Photography

Maßgeblich für unser persönliches Wachstum und das Meistern von Herausforderungen ist im ersten Schritt die Akzeptanz und das mutige Bewusstwerden der Situation. Dann erst kann jede Veränderung und gewünschte Verbesserung folgen. Wie eine Veränderung schrittweise gelingen kann, erarbeiteten wir gemeinsam und sammelten Tipps für erste Umsetzungsschritte, förderliche Gedanken für neue Gewohnheiten und bestärkende Tools zum Dranbleiben. Mit einer Fülle an Ideen und Möglichkeiten und dieser finalen Portion an Mut fanden die Sessions in Raum 1 ein motivierendes Ende.

Die Ergebnisse aller Sessions finden die Teilnehmer:innen in den Mindmaps. Wir informieren über unseren Newsletter, wann und wo das SpaCamp 2022 stattfindet.

Autor:in: Lisa Marie Stangier
Lisa Marie Stangier

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