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SpaCamp-Sessions Raum 1: Regeneration, Persönlichkeit und Begegnungen

28. Oktober 2026

Im Mittelpunkt vieler Sessions beim SpaCamp 2026 stand ganz deutlich der Mensch. Passend zum Motto re:connect ging es darum, wieder stärker auf die eigenen Bedürfnisse, echte Begegnungen und das zu schauen, was uns wirklich guttut. Dabei wurde immer wieder, zum Teil indirekt, die Frage gestellt: Braucht es tatsächlich immer mehr Ausstattung, Anwendungen und Angebote? Oder sind es vielmehr die richtigen Fähigkeiten, eine klare Haltung und Erlebnisse, die Menschen wirklich erreichen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich die Impulse und Diskussionen in Raum 1 beim SpaCamp 2026 im TAUERN SPA Zell am See-Kaprun. Dabei ging es nicht nur um neue Konzepte und wirtschaftlichen Erfolg, sondern vor allem auch um die Haltung dahinter.

Der erste Impuls mit Dagmar Rizzato im Raum 1. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Der erste Impuls mit Dagmar Rizzato im Raum 1. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher

Regeneration beginnt beim Menschen 

Wie können Hotels zu Orten echter Regeneration werden? Dagmar Rizzato von Rizzato Spa Consulting stellte die Bedürfnisse der Gäste in den Mittelpunkt und hinterfragte, ob die bestehenden Angebote diesen bereits gerecht werden. In einer Welt, die von Leistungsdruck, ständiger Erreichbarkeit und Informationsflut geprägt ist, geht es um mehr als einzelne Treatments. Gäste suchen Möglichkeiten, zur Ruhe zu kommen, sich wieder bewusster wahrzunehmen und neue Kraft zu schöpfen. Mit der sogenannten Whycation rückt das persönliche Warum einer Reise in den Mittelpunkt: Was braucht der Mensch gerade wirklich? Entscheidend ist, Regeneration nicht nur im Spa, sondern entlang der gesamten Guest Journey erlebbar zu machen. 

"Wie werden Hotels zu Orten echter Regeneration?" mit Dagmar Rizzato. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher
„Wie werden Hotels zu Orten echter Regeneration?“ mit Dagmar Rizzato. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher

Verkaufen oder verbinden? 

„Ich will dem Gast nichts verkaufen!“. Mit dieser Haltung beschäftigte sich Bianka Bitter von Strukturreich und auch hier werden die unterschiedlichen menschlichen Bedürfnisse in den Mittelpunkt gerückt. In der Diskussion wurde deutlich, dass gute Beratung nicht mit dem Produkt beginnt, sondern mit echtem Interesse am Gast. Wer aufmerksam zuhört, Bedürfnisse erkennt und passende Empfehlungen ausspricht, verkauft nicht einfach, sondern schafft einen Mehrwert. Voraussetzung dafür sind Mitarbeitende, die die Angebote kennen, von ihnen überzeugt sind und sich bei der Beratung sicher fühlen. Praktische Verkaufsleitfäden, kurze Wissensimpulse und eine offene Führungskultur können dabei helfen, Hemmungen abzubauen. Auch andere Abteilungen lassen sich als Spa-Botschafter einbinden, damit Gäste an unterschiedlichen Kontaktpunkten auf passende Anwendungen und Produkte aufmerksam werden. 

Diskussion mit Bianka Bitter über "Wie entsteht aus echtem Interesse am Gast eine Empfehlung, die sich nicht nach Verkaufen anfühlt?" Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Diskussion mit Bianka Bitter über „Wie entsteht aus echtem Interesse am Gast eine Empfehlung, die sich nicht nach Verkaufen anfühlt?“ Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher

Wellness nach Speisekarte? Weniger Auswahl, mehr Orientierung 

Muss ein Gast bereits vor der Buchung wissen, welche Anwendung ihm guttut? Joram Schirmaier, Product Manager Wellness bei der JK-Holding, stellte das klassische Spa-Menü infrage und brachte einen provokanten Vergleich zur Arztpraxis ins Spiel: Dort schildern Patient zunächst ihre Beschwerden, bevor über geeignete Behandlungsschritte entschieden wird. Ließe sich dieser Ansatz, erst die Bedürfnisse verstehen, dann die passende Anwendung empfehlen, auch auf den Spa übertragen? Viele Gäste greifen auf vertraute Angebote wie die Rückenmassage zurück, weil sie wissen, was sie erwartet. Mehr Orientierung durch Spa-Experten könnte die Auswahl erleichtern. Denkbar wäre etwa, zunächst nur einen Zeit-Slot zu buchen und die konkrete Anwendung später festzulegen. Auch eine übersichtlichere Auswahl und verständliche Bezeichnungen helfen. Denn Individualität entsteht nicht zwingend durch mehr Auswahl, sondern durch Beratung, die beim Menschen ansetzt. 

Mit Joram Schirmaier haben wir darüber diskutiert wie der Gast weiß, welche Behandlung ihm/ihr guttut. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Mit Joram Schirmaier haben wir darüber diskutiert wie der Gast weiß, welche Behandlung ihm/ihr guttut. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher

Magic Moments: Kleine Details, große Emotionen 

Wie choreografiert man Gänsehautmomente? Warum bleibt ein Spa-Erlebnis in Erinnerung? Kevin Prünster, Spa-Manager und stellvertretender Hoteldirektor im Schlosshotel Kitzbühel, brachte in seiner Session nicht nur seine Großmutter ins Spiel, die ihm offenbar die ersten Verkaufsstrategien und -geheimnisse mit auf den Weg gab und für charmante Lacher sorgte. Auch heute lässt sich daraus einiges lernen: Ein persönlicher Blick, die Begrüßung mit Namen, ein ehrliches Kompliment oder der Tee, der nach der Behandlung bereits bereitsteht, können besonders überraschen und Emotionen auslösen. Dafür braucht es nicht zwangsläufig mehr Ausstattung, sondern Persönlichkeit und Aufmerksamkeit. Standards geben Sicherheit, Persönlichkeit gibt Seele. KI kann Zeit gewinnen, Erinnerungen und Gänsehautmomente entstehen jedoch vor allem durch echte Menschen und Begegnungen. Oder, wie Kevens Oma zum Abschied zu Kunden und Gästen zu sagen pflegte: „Bleiben’s gesund und finanziell stabil!“ 

Keven Prünster hat uns gezeigt wie kleine Momente im SPA die großen Emotionen schaffen. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Keven Prünster hat uns gezeigt wie kleine Momente im SPA die großen Emotionen schaffen. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher

Warum verlassen Spa-Manager die Hotellerie? 

René Hille von der Kurklinik Allgäuer Bergbad ging der Frage nach, warum Spa-Manager der Hotellerie den Rücken kehren. In den gesammelten Diskussionspunkten standen weniger das Gehalt allein als vielmehr strukturelle und kulturelle Faktoren im Mittelpunkt: fehlende Wertschätzung, unzureichende Kommunikation, unklare Verantwortlichkeiten und zu wenig Entscheidungsfreiheit. Wer für Ergebnisse verantwortlich ist, benötigt auch die passenden Kompetenzen und Ressourcen. Hinzu kommt, dass fachlich gute Mitarbeitende nicht automatisch auf Führungsaufgaben vorbereitet sind. Regelmäßige Teamgespräche, transparente Budgets, Fortbildungen und klare Entwicklungsperspektiven können dazu beitragen, Spa-Leitungen zu stärken. Die zentrale Frage lautet: Wie attraktiv kann eine Branche sein, die Wohlbefinden vermittelt, wenn ihre eigenen Mitarbeitenden zu wenig davon erleben? 

Bei der Diskussion mit René Hille ging es um Spa-Manager in der Hotellerie. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Bei der Diskussion mit René Hille ging es um Spa-Manager in der Hotellerie. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher

Luxus ist eine Haltung 

Julia Rauter von JR Coaching & Consulting knüpfte an das Thema Magic Moments an, ging mit ihrer Session aber noch einen Schritt weiter. Sie zeigte, warum Gäste Werte oft spüren, bevor sie Produkte erleben, und welchen Einfluss die Wertschätzung und Führung der Mitarbeitenden darauf haben. Die Atmosphäre beim Ankommen, eine aufmerksame Begrüßung und das Gefühl, wirklich gesehen zu werden, prägen den ersten Eindruck. Hochwertige Produkte und Treatments können diesen bestätigen, eine persönliche Begegnung aber nicht ersetzen. Eine zentrale Erkenntnis lautete: „Das Treatment ist der Anlass. Das Gefühl ist der Grund wiederzukommen.“ Dafür müssen die Werte eines Hauses nicht nur im Leitbild stehen, sondern im Alltag gelebt werden, auch und gerade im Umgang mit dem eigenen Team. Ehrlichkeit, Respekt und Verlässlichkeit schaffen Vertrauen bei Mitarbeitenden ebenso wie bei Gästen. Protokolle sichern Qualität, Werte schaffen Erinnerung. Ob eine Haltung wirklich trägt, zeigt sich besonders dann, wenn es stressig wird und Entscheidungen getroffen werden müssen. Denn eines ist klar: Kein Gast erlebt mehr Wertschätzung, als das Team selbst erfährt. 

Julia Rauter hat uns mit ihrem Impuls in die Welt der Werte mitgenommen. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Julia Rauter hat uns mit ihrem Impuls in die Welt der Werte mitgenommen. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher

Frauen in der Lebensmitte: Leichtigkeit statt Selbstoptimierung 

Was erwarten anspruchsvolle Frauen zwischen 40 und 65 Jahren heute wirklich von Spa und Hotellerie? Dr. Zrinka K. Fidermuc Maler plädierte dafür, die Zielgruppe nicht allein über Beauty, Menopause oder Longevity anzusprechen, sondern den Menschen dahinter zu sehen. Im Mittelpunkt stehen auch mentale und emotionale Bedürfnisse: Leichtigkeit, Inspiration, Austausch und neue Perspektiven. In einer Welt, in der scheinbare Perfektion häufig zusätzlichen Leistungsdruck erzeugt, kann ein Hotel zum Gegenpol werden. Zu einem Ort, an dem Menschen nicht funktionieren oder sich optimieren müssen. Gefragt sind Erlebnisse mit einer eigenen Seele und Raum für Begegnungen. Wie das aussehen kann, zeigen Formate, die Wellness mit persönlichem Austausch, kreativen Impulsen und Zeit für sich verbinden. Entscheidend ist nicht das nächste Themenpaket, sondern ein Erlebnis, das Frauen wirklich etwas mitgibt. 

Mit Dr. Zrinka K. Fidermuc Maler durften wir über die Bedürfnisse der Frau in der Lebensmitte diskutieren. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Mit Dr. Zrinka K. Fidermuc Maler durften wir über die Bedürfnisse der Frau in der Lebensmitte diskutieren. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher

Erst Persönlichkeit, dann Posting 

Wie wird aus einem Social-Media-Feed ein authentischer Teil des Gästeerlebnisses? Teresa De Martino von Dream Aways stellte die Persönlichkeit des Hauses an den Anfang jeder Content-Strategie. Bevor Hotels und Spas Trends aufgreifen oder Beiträge veröffentlichen, sollten sie klären, welches Lebensgefühl sie vermitteln möchten: Entspannung, Inspiration, Gesundheit oder Energie. Statt nur Massagen und Produkte zu zeigen, können Bilder und Geschichten das Erlebnis dahinter sichtbar machen, etwa durch einen tiefen Atemzug auf der Liege oder einen ruhigen Moment am Pool. KI kann bei Planung und Auswertung unterstützen, echte Menschen und authentische Geschichten jedoch nicht ersetzen. Auch die Frage nach einem eigenen Social-Media-Kanal für den Spa lässt sich nicht pauschal beantworten: Spricht er dieselbe Zielgruppe wie das Hotel an, reicht meist der gemeinsame Auftritt; sollen zusätzlich etwa Day-Spa-Gäste oder Einheimische erreicht werden, kann sich ein eigener Kanal lohnen. Voraussetzung ist, dass ausreichend Ressourcen für die kontinuierliche Betreuung vorhanden sind. Denn Social Media lebt vom Dialog: Fragen beantworten, auf Gästebeiträge reagieren und Beziehungen pflegen gehört ebenso dazu wie das Posten selbst. 

Teresa De Martino hat die Wichtigkeit von Persönlichkeit und Gefühle auf Social-Media aufgezeigt. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher
Teresa De Martino hat die Wichtigkeit von Persönlichkeit und Gefühle auf Social-Media aufgezeigt. Foto: SpaCamp/Lisa Rettenbacher

Was die Spa-Branche mitnehmen kann

Die Sessions in Raum 1 zeigten aus unterschiedlichen Perspektiven, wie eng Gästeerlebnis, Unternehmenskultur und wirtschaftlicher Erfolg miteinander verbunden sind. Ob bei der Beratung, in der Führung, bei kleinen Gesten oder in der digitalen Kommunikation: Entscheidend ist nicht allein, was ein Spa anbietet, sondern wie stimmig es die Bedürfnisse der Menschen aufgreift. Am Ende sind es Persönlichkeit, Aufmerksamkeit und echte Verbindung, die fast immer aus einer Leistung ein Erlebnis machen. 

Ein herzliches Dankeschön an die Moderatorin Lisa Maria Stangier und an alle Teilnehmer:innen, die das SpaCamp 2026 mit ihren Ideen, Erfahrungen und Perspektiven bereichert haben! Alle Teilnehmenden erhalten im Nachgang das Whitepaper mit weiteren Thesen und Erkenntnissen als PDF.

Die Zusammenfassung der Sessions aus Raum 2 sowie den großen Gesamtrückblick auf das SpaCamp 2026 findest du ebenfalls in unserem SpaCamp-Magazin. Und wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Wiedersehen! Vom 27. bis 29. September 2027 geht das SpaCamp 2027 im Hotel Deimann im Sauerland in die nächste Runde.