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Spa 2025 – Visionen brauchen Macher. Interview mit Martina Schumann von sea chefs

„Welche mutigen Ideen haben wir und wie stehen dafür die Chancen?“, dies war eine der Fragen, welche Martina Schumann, Director Spa & Sport – „Mein Schiff“-Flotte von sea chefs, beim SpaCamp 2018 zusammen mit Kollegin Claudia Köster in ihrer Session „Think out of the box 2.0“ gestellt hat. Wir haben mit Martina darüber gesprochen, was sich ihrer Meinung nach im Spa in Zukunft verändern und 2025 nicht mehr wegzudenken sein wird.

Visionen brauchen Macher. Foto: Fotolia/ra2 studio

Visionen brauchen Macher. Foto: Fotolia/ra2 studio

In deiner Session beim SpaCamp habt ihr über die Zukunft des Spas gesprochen und wie diese gestaltet werden kann. Welche mutigen Ideen sind dir hier besonders im Gedächtnis geblieben?

Es sind wirklich sehr interessante und mutige Ergebnisse in der Session entstanden, wie beispielsweise ein „Mud Room”, um sich wieder wie ein Kind zu fühlen, ein „Eskalationsraum” oder ein „Escape Room” – diese drei unterschiedlichen Räume, mit entsprechenden Konzepten, dienen der individuellen Entschleunigung und Entspannung.

Spannend war auch die Idee einer digitalen Messung des aktuellen Energiezustandes, welche man mit der Zieleingabe „Entspannung, mehr Energie“ etc. in Form von Farben, Düften und Klängen erreichen kann – sozusagen die Sinne bewusster einfließen lassen. Ich kenne das in Form eines iPads. Man legt die Hand darauf und in diesem Moment wird der Energiezustand in Form von Farben gemessen und anhand der persönlichen Eingaben werden Licht, Duft und Musik automatisch eingestellt. Somit kann eine positive und individuelle Raumatomsphäre geschaffen werden.

Interessant sind generell auch „intelligente Räume“, welche sich auf die Bedürfnisse der Gäste einstellen. Denkbar sind dabei Faktoren wie Licht, Duft, Sand, Bildwelt, digital oder auch nichtdigital – zum Beispiel ein Wald oder Laubhaufen. Auch haben wir uns über digitale Mitarbeiter in Form eines Hologramms, von Virtual-Reality-Tools, Massageanzügen, Robotern oder Do-it-yourself-Workshops (DIY) unterhalten.

Ich war positiv überrascht, dass doch so viele mutige Ideen entstanden sind. Hier gilt es, diese Ideen step by step in das bestehende Spa-Angebot zu integrieren, sodass man die Gäste sowie Mitarbeiter damit begeistern kann.

Spa bedeutet auch abschalten. Wie kann man die Gäste in Zukunft emotional besser abholen – Stichwort „Onboarding“?

Den Gast emotional abzuholen, ist immer noch die Aufgabe eines herzlichen Mitarbeiters, in Form von Begrüßung, Service und Beratung. Der Mensch möchte weiterhin herzlich und ehrlich empfangen werden. Wichtig dabei ist die Raumatmosphäre, welche den Gast anziehen soll. Übrigens befragen wir auch regelmäßig unsere „Mein Schiff“-Gäste, wie ihnen unsere Ideen und Neuheiten gefallen.

Wie können wir darüber hinaus die Gefühlsbandbreite des Gastes noch besser ausfüllen?

Auch hier sind gute Ideen in der Session entstanden. Zum Beispiel variable Ruhezonen mit Cocooning und biodynamischer Raumanpassung. Auch Emotionserkennung durch Künstliche Intelligenz (KI), wie oben bereits angedeutet. Daraus ergibt sich die individuelle Vorbereitung auf den Gast. Hier sind emotionale Anwendungsräume auch ohne Mitarbeiter denkbar, wie beispielsweise die Alphaliege von Sha oder Sleeping Pods, welche schnelle Erholung bringen sollen. Aber, menschliche Berührung wird auch in Zukunft immer wichtig sein.

Martina Schumann und Claudia Köster in deren Session „Think out of the box 2.0“ beim SpaCamp 2018 in Hessen. Foto: SC/DH STUDIO, Dirk Holst

Martina Schumann und Claudia Köster in deren Session „Think out of the box 2.0“ beim SpaCamp 2018 in Hessen. Foto: SC/DH STUDIO, Dirk Holst

Auf die Frage, welche Geschäftsmodelle neu gestaltet werden können, war unter anderem die Antwort: Gruppenerlebnisse oder multifunktionale Räume. In welchen Bereichen könnte man noch anfangen umzudenken?

Ein Gruppenerlebnis ist immer spannend, sei es in Form eines Massageworkshops oder eines Workshops für Atmung oder Entspannungstechniken – hierfür ist ein multifunktioneller Raum ideal. Es gibt viele Möglichkeiten und es sind keine Grenzen gesetzt, wobei das bereits viele Spas anbieten. Voraussetzung dafür ist ein großzügiger Kursraum. Das bringt uns allerdings langfristig nicht so ganz weiter, denn wir alle benötigen für diese Workshops genügend Mitarbeiterkompetenz.

Wir sollten uns eher auf eine stärkere Abgrenzung oder Anpassung im Konzept (Digital/VR oder Natur pur) einstellen. In einem bestehenden Spa einfach einmal analysieren: Wie sieht es mit den Ressourcen aus? Wie viele Kabinen stehen zur Verfügung und wie viele Mitarbeiter sind im Spa? Ich erlebe es oft, dass bei zehn Kabinen nur fünf bis sechs Mitarbeiter eingestellt sind. Mit der Begründung, dass es keine Mitarbeiter gibt. Eine Möglichkeit wäre, die leer stehenden Kabinen mit Erlebnissen wie brainLight, BEWEI, Wellsystem-Überwasser-Massageliegen, Visuellem Raum, Eskalationsraum etc. anzupassen.

Was, denkst du, wird sich im Spa in Zukunft auf alle Fälle verändern und 2025 nicht mehr wegzudenken sein?

Wir werden aufgrund der Mitarbeiter-Thematik viel mehr in virtuelle Leistungen mit stimmiger Atmosphäre gehen müssen, die mehr Sinne ansprechen. Das heißt, viel mehr mit Licht, Duft, Musik und Berührung in Form von Wasser und mechanischen Massagen arbeiten. Dabei hat natürlich die manuelle Kosmetik und Massage immer einen besonderen Stellenwert.

Ich gehe davon aus, dass wir 2025 ca. 70% der Anwendungen mit Mitarbeitern und 30% ohne Mitarbeiter haben werden. Das Wichtigste sind dennoch leidenschaftliche Gastgeber im Spa, welche die Gäste ehrlich begeistern können sowie in den entsprechenden Raum begleiten und einweisen. Wir sollten auch neue Leistungen im Spa integrieren, wie zum Beispiel „Wasser als dein Therapeut“. Ich habe mir hier bei Dornbracht einiges angesehen, was sehr überzeugend ist. Kombiniert mit Visuellen Räumen ergeben sich hier spannende Ideen. Aber auch die apparative Kosmetik wird meiner Meinung nach weiter an Bedeutung gewinnen, wie beispielsweise SEYO-Wirkstoffkosmetik durch Sauerstoff oder JetPeel. Diese haben eine sehr intelligente Umsetzung und sind einfach in der Handhabung, LED für den Collagenaufbau oder Sauerstoffzufuhr von Cardioscan während einer mechanischen Massage. Es gibt ebenso einige tolle Massageliegen mit einigen Extras wie Infrarot, Magnetfeld, Geräte für eine straffe Silhouette, ebenfalls ohne Hands-on. Hier stelle ich mir eine Art Relax Park vor. An das Design sind keine Grenzen gesetzt. Hiermit kann ich gleichzeitig eine unterschiedliche Preispolitik fahren und erreiche gegebenenfalls mehr Menschen und somit einen höheren Umsatz. Entspannung für alle. Das Gleiche gilt für den Sport wie beispielsweise mit Solos Mirror, virtuellen Kursen, virtuellem Cycling etc.

Um noch individueller auf die Gastwünsche eingehen zu können, ist ein gutes CRM-Tool essentiell. Darauf aufbauend werden die Gastwünsche und individuelle Anwendungen vorgeschlagen.

Abschließende Frage: Wie weit blickt ihr mit der „Mein Schiff“ in die Zukunft?

Martina Schumann, Director Spa & Sport - Mein Schiff Flotte von sea chefs. Foto: Martina Schumann

Martina Schumann, Director Spa & Sport – „Mein Schiff“-Flotte von sea chefs. Foto: Martina Schumann

Wir haben sehr viel getestet und ausprobiert, oft scheiterte es daran, dass man für viele Innovationen doch wieder viel medizinisches Know-how, mehr Mitarbeiter und zeitintensive Schulungen benötigt, deshalb haben wir davon wieder Abstand genommen. Das sind Programme, welche wunderbar für ein Vitalhotel, Medical Center und Gesundheitsresorts entwickelt worden sind, aber nicht für ein Kreuzfahrtschiff – noch nicht.

Eine Schiffsplanung nimmt etwa drei Jahre in Anspruch. In der Vergangenheit hatten wir nur Anwendungen mit Berührung im Programm. Seit 2017 haben wir etwas optimiert und Leistungen wie BEWEI, brainLight, mechanische Lymphdrainage, Erlebnisduschen mit Farben und Düften sowie Wirkstoffkosmetik integriert. Auch im Sport haben wir das Programm um ein etwas spielerisches Training mit dem Icaros und VR sowie Zellscreening, das einfache Messen der Vitaminversorgung, erweitert.

Für die Mein Schiff 7 sind wir alle viel offener und mutiger, deshalb planen wir viel mehr in die Richtung „Spa der Zukunft“. Dazu sind wir laufend dabei, neue Geräte auszuprobieren und prüfen diese auf Schiffstauglichkeit. Für weitere Fragen oder Ausführungen stehe ich gerne zur Verfügung.

Vielen Dank, Martina Schumann, für die Vertiefung zu diesem Thema und deine persönliche Sicht dazu. Wir sind gespannt, was die Zukunft bringen wird!