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Nachhaltige Erlebnisse schaffen – aber wie? Interview mit Nicole Gottschall, Go Interiors

In der SpaCamp-Session von Nicole Gottschall standen globale Trends im Bereich Wellness und Spa im Fokus. Eine Erkenntnis war dabei, dass man seinem Spa-Konzept trotz immer neuer Trends treu bleiben muss. Die Gäste haben außerdem immer öfter den Wunsch nach nachhaltigen Erlebnissen. Wie dieser Wunsch erfüllt werden kann und welche Trends für Spa-Hotels besonders interessant sind, erklärt Nicole Gottschall im Interview.

Viele Gäste möchten einen Gang zurückschalten. Foto: Go Interiors GmbH.

Viele Gäste möchten einen Gang zurückschalten. Foto: Go Interiors GmbH.

In deiner Session wurde angesprochen, dass eine Diskrepanz zwischen immer weniger Zeit der Gäste und dem gleichzeitigen Wunsch nach immer mehr Erlebnis steht. Wie siehst du persönlich diese gesellschaftliche Entwicklung?

In einer unglaublich schnelllebigen Zeit mit nahezu 24/7 connectivity versuchen Menschen, immer mehr in ihre Zeit hineinzupacken. Unsere Timetables sind im Alltag oft durchgetaktet; durch eine ständige Reizüberflutung muss das nächste Erlebnis noch größer und eindringlicher sein, um ein nachhaltiges Gefühl in uns auszulösen.

Ich nehme zurzeit wahr, dass viele der Gäste gerne einen Gang runterschalten würden. Einfach mal nichts tun, die Seele baumeln lassen und wieder in sich hineinhören. Daher boomen auch Achtsamkeits-Trainings und Meditationskurse. Sowohl in den Angeboten der Hotels als auch in den Menschen selber trennen sich die Welten – die einen wollen immer mehr und mehr und die anderen fokussieren auf innere wahre Werte und Verbundenheit mit der Welt. Diese Entwicklung ist nichts Neues und hat es schon immer gegeben – durch die Globalisierung, Social Media und Selbstoptimierung wird sie jedoch sichtbarer.

Viele Menschen fragen sich: immer weiter – immer mehr – wohin führt das?

Ein Thema war außerdem das Kreieren von nachhaltigen Erlebnissen mit emotionalem Impact. Was können wir uns konkret darunter vorstellen und wie könnte das umgesetzt werden?

Der Gast erwartet heute ein sichtbares und auch nachhaltiges Resultat; zeitgerecht – das heißt sofort. Das kann sowohl äußerlich wie innerlich stattfinden. Im Äußeren als Eindruck, dass zum Beispiel die Haut straffer erscheint, und im Innern, dass man sich entspannter, genährter, erfüllter fühlt.

Durch ein spezielles Treatment kann man zur Einsicht gelangen, in Zukunft eine Lebensweise zu verändern, oder man erfährt an „Leib & Seele“, dass etwas besonders guttut. Das sind pure Emotionen, die der Gast mit der Behandlung in Verbindung bringt. Als Gastgeber kann ich dieses Erlebnis und die damit verbundene Einsicht noch verstärken, indem ich eine sichtbare Veränderung konstatiere („Sie sehen aber entspannt aus“, „Sie sehen aber frisch aus“ etc.). Die Verankerung der positiven Wahrnehmung in der Erinnerung des Gastes in Verbindung mit der entsprechenden Umgebung und dem/der fokussierten Therapeut*in kann emotionale Höhenflüge auslösen und somit sogar eine Wirkungsweise „gefühlt“ verstärken.

Nicole Gottschall bei ihrer Session beim SpaCamp 2019. Foto: DH STUDIO Köln, Dirk Holst

Nicole Gottschall bei ihrer Session beim SpaCamp 2019. Foto: DH STUDIO Köln, Dirk Holst

Es macht keinen Sinn, auf jeden Zug aufzuspringen. Dennoch gibt es vielleicht den einen oder anderen Trend, den sich ein Spa-Hotel genauer ansehen sollte. Welche Trends wären das deiner Meinung?

Die aktuellen Gesellschaftsentwicklungen und letzten wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen uns den Weg. So ist die Stärkung der Resilienz und das damit verbundene Stressmanagement ein starkes Bedürfnis vieler Gäste. Ebenso werden Themen wie körperliche Regeneration durch Kälte (nach sportlicher Aktivität), nachhaltige Senkung des Cortisolspiegels (Stresshormon), EMF-Clearing sowie Verbesserung der Schlafqualität zu großen Themen der nächsten Jahre.

Durch die sich rasch veränderten Lebensweisen und die damit verbundene emotionale Entwurzelung werden Themen wie Sinnfindung (Ikigai) und Spiritualität in unseren SPAs Einzug halten. Dies wird vielfach durch alte holistische Therapieformen oder auch Neuentwicklungen basierend auf tradiertem Wissen stattfinden.

Die Umsetzung all dieser Themen wird auf komplett unterschiedlichen Wegen erreicht werden – totale Umkehr zur Natur und damit Abkehr aller Technik oder eben das Gegenteil: Entwicklung vieler neuer technischer Gadgets, die das Ziel der allgegenwärtigen Selbstoptimierung für jedermann einfacher erreichbar machen.

Außerdem sehe ich noch folgende Makro-Spa-Trends:

  • Power-Wellness: in kürzester Zeit den größten Impact erleben
  • One-Stop-Wellness: alles an einem Ort gleichzeitig buchen können, um Zeit zu sparen
  • Wellness Vegan: vegane Produkte / Kosmetik / Einrichtung für das gute Gewissen
  • Mindset-Wellness: Selbstoptimierung und nachhaltige Glücksfindung durch Mindset-Change

Vielen Dank, Nicole Gottschall, für das Interview und den spannenden Einblick in aktuelle Trends aus der Spa- und Wellness-Welt. Danke auch für deinen Themenvorschlag beim SpaCamp 2019.