Sauna für alle! Zwischen textilfreier Tradition und inklusivem Wellbeing

23. September 2026

Textilfrei oder lieber mit Badebekleidung? Was für die einen selbstverständlich zur Sauna dazugehört, kann für andere eine echte Hürde sein. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe, persönliche Bedürfnisse oder auch der Anlass eines Thermenbesuchs verändern die Erwartungen an moderne Wellbeing-Angebote. Im Interview erklärt Jette Kemna und Janis Rehs von der Thermengruppe Josef Wund, warum es deshalb nicht um ein Entweder-oder gehen muss und wie sich traditionelle Saunakultur und textile Angebote sinnvoll ergänzen können.

Herbarium. Foto: Thermen & Badewelt Sinsheim 
Herbarium. Foto: Thermen & Badewelt Sinsheim 

Auch wenn bei uns eine textilfreie Sauna ganz normal ist, ist für viele Menschen Entspannung ohne Bekleidung undenkbar. Welchen Weg geht ihr bei diesem Thema?

Jette Kemna: Wir denken Wellbeing bewusst nicht exklusiv, sondern einladend. Für viele Menschen hierzulande ist die textilfreie Sauna gelebte Tradition. Für andere ist genau das eine Hürde. Sei es aus kulturellen, altersbedingten oder ganz persönlichen Gründen. Auch der Anlass kann die Präferenz verändern, etwa beim Afterwork-Wellness mit Arbeitskollegen. Statt sich für eine Seite zu entscheiden, bieten wir „the best of both worlds“: klassische Nacktsauna und textile Wellbeing- und Sauna-Angebote, die bei einem Besuch der Anlagen in voneinander getrennten Bereichen erlebbar sind. Textile Angebote, ob beim Baden im Palmenambiente, in Dampfbädern oder inzwischen auch beim Saunagang selbst, schaffen einen niedrigschwelligen Zugang zur Thermenwelt. Wir bauen dieses Angebot deshalb konsequent aus, wobei die textilfreie Sauna ein weiterhin ein zentraler Bestandteil unseres Angebots bleibt.

Textilsauna Beachsauna. Foto: Therme Euskirchen 
Textilsauna Beachsauna. Foto: Therme Euskirchen 

Gibt es kulturell bedingt unterschiedliche Erwartungen an Saunen und auf was achtet ihr besonders?

Janis Rehs: Ja, die gibt es, ich würde jedoch nicht von Erwartungen, sondern von Wünschen sprechen. Unsere Häuser werden von vielen Menschen aus verschiedenen Ländern und mit verschiedenen kulturellen Hintergründen besucht. Während die klassische Nacktsauna in Nordeuropa und Deutschland fest verankert ist, gibt es bereits in Frankreich und Polen keine flächendeckende unbekleidete Saunakultur. Saunieren in Bekleidung ist in vielen europäischen und internationalen Ländern die Norm oder sogar die einzig vorstellbare Form der Entspannung. Worauf wir besonders achten: Transparenz und klare Kommunikation, welche Bereiche textil und welche textilfrei sind. Für uns gibt es kein besseres oder schlechteres Saunieren. Wir möchten Angebote schaffen, die Orientierung geben und Wahlmöglichkeiten eröffnen. 

Lagune Palmenparadies. Foto: Therme-Euskirchen
Lagune Palmenparadies. Foto: Therme Euskirchen

Was erwarten heute insbesondere Familien mit Kindern bei textilen Saunanageboten? 

Janis Rehs: Familien suchen vor allem Angebote, die unkompliziert, sicher und für alle Altersgruppen zugänglich sind. Für Familien ist das textile Angebot oft der erste Berührungspunkt mit dem Thema Wellbeing überhaupt. Wichtig ist dabei weniger die klassische Aufgusskultur als vielmehr ein spielerischer, niedrigschwelliger Zugang: Bei unseren Wellbeing Days etwa gehört Familien-Tier-Yoga zum Programm, in Titisee und Erding ergänzen die Erlebniswelten Galaxy Schwarzwald und Galaxy Erding das textile Angebot. Das Programm wird laufend weiterentwickelt und wechselt regelmäßig. Familien können auch erste Sauna-Erfahrungen in unseren Textilsaunen z.B. der Beachsauna in der Therme Euskirchen oder in der Natura-Sauna im Badeparadies Schwarzwald machen. Dabei geht es weniger um klassische, intensive Saunagänge, sondern um angenehme Temperaturen, kurze Anwendungen und spielerische Elemente. 

Familienspaß im Palmenparadies. Foto: Therme Euskirchen
Familienspaß im Palmenparadies. Foto: Therme Euskirchen

Mit dem „Immersive Sky“ in der Therme Euskirchen oder dem „Immersive Horizon“ in der Thermen & Badewelt Sinsheim setzt ihr auf das sogenannte „Immersive Wellbeing“. Wie funktioniert das genau und in welchem Zusammenhang steht das Konzept mit textilen Saunaangeboten? 

Jette Kemna: Der „Immersive Sky“ in der Therme Euskirchen und der „Immersive Horizon“ in der Thermen & Badewelt Sinsheim stehen für unser Konzept des Immersive Wellbeing: multisensorische Erlebnisräume, in denen Licht, Klang, Duft und Kunstinstallationen zusammenwirken, um Gäste für einen Moment vollständig in eine andere Welt eintauchen zu lassen und ihnen Tiefenentspannung zu schenken.   
 
Im Immersive Horizon erleben die Gäste eine meditative und künstlerische Auseinandersetzung mit dem Atem. „Breathing Planet“ heißt die dortige Kunstinstallation, die mittlerweile auch die zweite Show im Immersive Sky in Euskirchen ist. Dort können die Gäste nicht nur mit der Welt atmen, sondern in der weiteren Show „Forest Bathing: Lupuna“ eine tiefenentspannende Reise in den Amazonas-Regenwald machen. Die Wirkung von „Forest Bathing: Lupuna“ ist wissenschaftlich untersucht worden, durch eine neurophysiologische Studie zu Herzfrequenz, Gehirnaktivität und emotionalem Erleben.  

Immersive Erlebnisse gibt es auch in der Sauna. In der Tropensauna in Sinsheim verschmelzen Wärme, Natur und Klang zu einem immersiven Erlebnis, das über klassisches Saunieren hinausgeht. Die Bewegungen und Geräusche der Vögel in der Voliere vor der Sauna werden in Echtzeit erfasst und durch künstliche Intelligenz zu einer fortlaufenden Musikkomposition verwoben. Der Klang reagiert auch auf den Rhythmus des Tages: ruhig und offen am Morgen, intensiver und energetischer am Mittag, ruhig und ausklingend am Abend. Nichts ist vorproduziert, nichts wiederholt sich. Ein 360°-Soundsystem ist unsichtbar in die Saunainfrastruktur integriert.

Immersive Sky. Foto: Therme Euskirchen 
Immersive Sky. Foto: Therme Euskirchen 

Bei eurem Herbarium-Festival, das zur Zeit in der Thermen & Badewelt Sinsheim stattfindet, gibt es Angebote in der Textil- und in der Nacktsauna. Was kann man in beiden Welten erleben? 

Janis Rehs: Beim Herbarium, das an allen Standorten von Therme Horizon (Therme Bukarest, Therme Erding, Therme Euskirchen, Thermen & Badewelt Sinsheim und Badeparadies Schwarzwald) über das Jahr hinweg stattfindet, sollen ausdrücklich alle Gäste die wohltuende Wirkung der Kräuter und der Natur erleben können, ob bekleidet oder nackt. Das Herbarium-Festival findet zur Zeit vom 21. bis 27. September 2026 in der Thermen & Badewelt Sinsheim statt. Gastaufgießerinnen und Aufgießer aus 12 Ländern, unter anderem aus Finnland, Belgien, Kolumbien, Litauen, Dänemark, Estland, Italien und England, bringen ihre jeweiligen Rituale mit: nordische Pirts-Rituale mit Kräutern und Birkenzweigen, russische Banja-Zeremonien mit dem traditionellen Wenik, dazu Kräuter- und Blütenaufgüsse, Räucherrituale und Klangzeremonien. Ohne weit zu reisen, lassen sich hier viele Sauna-Kulturen erleben. 

Textilsauna im Herbarium. Foto: Thermen & Badewelt Sinsheim 
Textilsauna im Herbarium. Foto: Thermen & Badewelt Sinsheim 

Für den textilen Bereich reist zum Beispiel der finnische Gastaufgießer Niko Nenonen mit einem eigenen Saunatruck aus Finnland an, in dieser Form eine der beeindruckendsten und größten mobilen Saunen der Welt. Niko bringt bietet darin seinen “Löly” an und bringt damit ein Stück skandinavische Saunakultur zum Festival. Der frisch gekürte Deutsche Aufgussmeister 2026, Lennart Kloß, gestaltet das Programm zusätzlich mit. Wer zwischendurch Abwechslung sucht, findet sie beim Eisbaden im Außenbereich des Palmenparadies, wo Wärme- und Kälteimpulse aufeinandertreffen. Im Außenbereich gibt es noch einen Sound Tree zu entdecken, an dem die Gäste individuelle Klangerlebnisse kreieren können.  
 
Das Spannende ist, dass sich das Herbarium nicht nur als Saunaangebot durch den textilfreien und textilen Bereich zieht, sondern auch im Gastronomieangebot, im Massageangebot sowie in einem vielfältigen Rahmenprogramm zeigt. So entsteht ein Festivalprogramm, das internationale Saunakultur erlebbar macht, unabhängig davon, für welche der beiden Welten (textil/ non-textil) sich die Gäste entscheiden.  

Herzlichen Dank an Janis Rehs, Operation Officer, und Jette Kemna, PR-Managerin Corporate Communications der WUND Gruppe, für die spannenden Einblicke und Impulse rund um die Zukunft einer vielfältigen und zugänglichen Saunawelt.


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